Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kommentar

Schüler sind keine Zielgruppe

Firmen und Verbände wollen mit gesponserten Lehrmitteln ihre Marken und Ideen in den Köpfen der Schüler verankern. Doch die Logik der Marketingleute und Lobbyisten hat an der Volksschule nichts zu suchen.
Michael Genova
Michael Genova (Bild: Martina Basista)

Michael Genova (Bild: Martina Basista)

Bürgerliche Politiker führen in mehreren Kantonen eine orchestrierte Aktion gegen «linke Schulbücher». Auch die St. Galler Freisinnigen sind auf den Zug aufgesprungen und kritisieren in einem Vorstoss, dass zwei Lehrmittel für Geschichte und politische Bildung mit «politischen Parolen und Lobhudeleien» durchsetzt seien. Sie wollen von der St. Galler Regierung wissen, wie die Schülerinnen und Schüler vor «politischer Instrumentalisierung» geschützt werden. Nicht zum ersten Mal geht es um die Frage, ob die Volksschule weltanschaulich tatsächlich ausgewogen ist.

Mit ihren Vorstössen tragen die Politiker ihren politischen Kampf in die Schule hinein. Sie werden darüber streiten, welche Sätze umgeschrieben werden müssen, wo ein gegensätzlicher Standpunkt vergessen wurde, wo eine wissenschaftliche Untersuchung das Gegenteil beweist. Die Vorstellung eines absolut neutralen Lehrmittels ist jedoch eine Illusion. Letztlich müssen Eltern und Politiker ohnehin darauf vertrauen, dass Lehrerinnen und Lehrer mehrere Argumente in eine Diskussion einbringen, damit Jugendliche sich eine eigene Meinung bilden können. Das ist das eigentliche Ziel der politischen Bildung.

Der Aufschrei erinnert aber auch daran, dass subtile Beeinflussungsversuche in der Volksschule stetig zunehmen. Politische Interessengruppen und Firmen wollen ihre Wertvorstellungen und Marken möglichst früh in den Köpfen der jungen Menschen verankern. Deshalb versuchen sie ihre Produkte in den Schulen zu platzieren oder entwickeln kostenlose Lehrmaterialien. Mittlerweile gibt es darauf spezialisierte Schulplattformen.

Gerade das Sponsoring von Lehrmitteln treibt sonderbare Blüten. So bietet die Rimuss- und Weinkellerei Rahm AG Lernmaterial zur Weinkultur an. Dazu gibt es ein kostenloses Degustations-Set. Und auch die FDP will mit einem Staatskunde-Kit den Schülern die Schweizer Politik erklären. Als ob es nicht genügend hochwertige Inhalte zum Thema Weinbau oder zum politische System der Schweiz gäbe! Aber darum geht es ja gar nicht. Die Schülerinnen und Schüler sollen in erster Linie den Absender des Lernmaterials möglichst positiv in Erinnerung behalten.

Diese Logik der Marketingleute und politischen Lobbyisten hat an der Volksschule nichts zu suchen. Parteien, Verbände und Nichtregierungsorganisationen sollten sich in Zurückhaltung üben. So hätten die Lehrerinnen und Lehrer mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit und müssten sich nicht ständig gegen Vereinnahmungsversuche wehren. Und Firmen sollten sich darauf besinnen, was Sponsoring einmal war. Zurückhaltendes Mäzenatentum, frei nach dem Motto: Tue Gutes – und freue dich im Stillen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.