Salzkorn
Vom Wesen des Fälschers

Kaum trifft die Coronaimpfung auf die Blutbahn, tauchen erste Zertifikatfälscher auf. Was das mit einem Ex-Stadtschreiber aus Frauenfeld zu haben könnte – und einem Fake-Reporter namens Claas Relotius.

Odilia Hiller
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Illustration: Corinne Bromundt

Das Wesen des Fälschers ist unergründlich. Könnte es mit Selbstüberschätzung zu tun haben? Kaum ist die Coronaimpfung auf dem Weg in die Blutbahnen, tauchen die ersten Impfzertifikatfälscher auf. Abnehmer finden sie anscheinend genug. So gesehen lebt der Fälscher zuweilen auch von einer Kundschaft, die willig ist, mitzulügen.

Das Problem: Fälscher sind darauf angewiesen, dass man ihnen nicht auf die Schliche kommt. Das Bezirksgericht Frauenfeld sieht es seit Mittwoch als erwiesen an, dass ein Ex-Stadtschreiber Wahlzettel manipulierte und so ein verfälschtes Wahlresultat produzierte – in einer Demokratie eher problematisch. Das Urteil will der Angeklagte jedoch nicht akzeptieren und zieht vor Obergericht, um seine Unschuld zu beweisen.

Das wiederum erinnert von ferne an den «Spiegel»-Reporter Claas Relotius, der zwar nicht bestreitet, die Mehrheit seiner Texte erfunden zu haben. Aber er hätte gerne, dass nicht mehr behauptet wird, seine Bürotür sei meist geschlossen gewesen. Das findet der Fälscher falsch.

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