Salzkorn
«S'isch. S'isch nöd»: Kennen wir – doch dann kam die Pandemie

Die Ostschweizer Seele ist tough. Enttäuschungen haben sie hart im Nehmen, aber auch misstrauisch gemacht. Das gilt fürs Wetter, aber auch für Corona. Und die Olma.

Odilia Hiller
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Illustration: Corinne Bromundt

«S’isch. S’isch nöd.» Das Urvertrauen der gemeinen Ostschweizer Seele geht naturgemäss früh verlustig. Ab Kindesbeinen gewöhnen wir uns daran, dass heissgeliebte Veranstaltungen mir nichts, dir nichts ausfallen.

«S’isch nöd», heisst es dann beispielsweise beim St.Galler Kinderfest, wenn es wochenlang auf die Wiese schifft. Bis das Fest dann doch irgendwann isch, haben wir längst gelernt, uns via generelles Misstrauen dagegen zu schützen, immer wieder enttäuscht zu werden.

Wir ziehen verschnupft unsere Schlüsse: Dem Ostschweizer Wetter und den Behörden ist nicht zu trauen.

In diesen toxischen Mix reiht sich nun die Pandemie. Wir sind mit so vielen «S’isch-nöds» konfrontiert, dass wir schon gar nicht mehr wissen, auf wen wir sauer sein sollen.

Im Zweifelsfall halt auf die Politik, die eignet sich dafür vorzüglich. Misstrauisch sind wir sodann Spritzen gegenüber, die man uns mir nichts, dir nichts verabreichen will. Denn, dass die Olma dieses Jahr isch, glauben wir sowieso erst, wenn ein Bundesrat ein Säuli knuddelt.

Bundesrat Alain Berset mit einem Säuli an der offiziellen Eröffnung der 77. Olma im Jahr 2019.

Bundesrat Alain Berset mit einem Säuli an der offiziellen Eröffnung der 77. Olma im Jahr 2019.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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