Pro und Contra
«Die Zeit ist reif» – «Ein gigantischer Etikettenschwandel»: Das sagen zwei Nationalräte zur «Ehe für alle»

Grünen-Nationalrätin Florence Brenzikofer wirbt für ein Ja, SVP-Nationalrat Andreas Glarner für ein Nein.

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Pro: «Die Zeit ist reif»

Florence Brenzikofer, Nationalrätin (Grüne/BL).

Florence Brenzikofer, Nationalrätin (Grüne/BL).

Alessandro Della Valle / Keystone

Vor über 20 Jahren lancierte die grüne Nationalrätin Ruth Genner mit ihrem Vorstoss zur «Ehe für alle» eine wichtige politische Debatte über die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare. Die Gesellschaft hat sich seither gewandelt und unterschiedliche Lebensentwürfe stehen nebeneinander. Mit der Gesetzesänderung, die im Parlament eine deutliche Mehrheit gefunden hat, soll die Ehe zukünftig nicht den heterosexuellen Paaren vorbehalten sein.

Die Öffnung der Ehe ist eine folgerichtige Weiterentwicklung einer Institution, die sich stets der Realität und den gesellschaftlichen Werten angepasst hat. Die «Ehe für alle» ermöglicht die gemeinschaftliche Adoption eines Kindes. Ebenso erhalten Frauenpaare den Zugang zu Samenbanken in der Schweiz, genauso wie ihn heterosexuelle Paare bereits seit über 50 Jahren kennen. Die Gesetzesänderung ermöglicht auch, dass die Kinder von Geburt an zwei Elternteile haben und so auch beim Tod eines Elternteils rechtlich abgesichert sind. Dies ist sehr wichtig. Denn Schätzungen zufolge leben heute rund 30'000 Kinder in Regenbogenfamilien. Das Entscheidende für Kinder nebst der rechtlichen Sicherheit ist ein fürsorgendes Umfeld. Denn es kommt auf die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung an und nicht auf die sexuelle Orientierung der Eltern.

Entgegen den Behauptungen der Gegnerinnen und Gegner öffnet die Gesetzesänderung auch nicht Tür und Tor zur Leihmutterschaft. Die Leihmutterschaft ist in der Schweiz sowohl für verschiedengeschlechtliche wie auch für gleichgeschlechtliche Paare auf Verfassungsebene verboten.

Die Volksabstimmung zur «Ehe für alle» ist ein längst überfälliger Schritt. Lesbischen und schwulen Paaren gebühren die gleichen Rechte, aber auch Pflichten wie heterosexuellen. Ich sage Ja zu Gleichstellung, Vielfalt und Toleranz und bin überzeugt, dass die Schweiz bereit dazu ist. Ja zu einer Ehe für alle Paare!

Die 10 wichtigsten Fragen und Antworten zur Abstimmung über die Ehe für alle

Contra: «Ein gigantischer Etikettenschwindel»

Andreas Glarner, Nationalrat (SVP/AG).

Andreas Glarner, Nationalrat (SVP/AG).

Severin Bigler

Wenn es denn nur um die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ginge, so könnte man dieser Vorlage vielleicht sogar zustimmen. Doch wir erleben seit bald Jahrzehnten eine Salami-Taktik!

Zunächst ging es ja im 2007 darum, sich mittels einer eingetragenen Partnerschaft gegenseitig beim Erbe begünstigen zu können und sich bei einem Notfall im Spital besuchen zu dürfen. Dagegen konnte niemand ernsthaft sein. Doch schon damals warnten wir davor, dass bald weitere Begehrlichkeiten wie Leihmutterschaft, Samenspenden und gar Adoption kommen werden. Natürlich wurde uns treuherzig versichert, dass man mit der eingetragenen Partnerschaft zufrieden sein werde.

Und nun liegt eine Vorlage auf dem Tisch, welche einen gigantischen Etikettenschwindel darstellt. Es geht nämlich nicht nur um die «Ehe für Alle» – nein, es würde mit dieser Vorlage nun ganz konkret die Samenspende erlaubt. Lesbischen Paaren soll nun also der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin gewährt werden – selbstverständlich zu Lasten der Krankenkasse – also von uns allen …

Dies geht für mich nun eindeutig zu weit! Ein Kind wird zum Objekt degradiert, welches gerade in die aktuelle Lebensplanung von privilegierten Homosexuellen passt. Einem Kind wird das Recht genommen, von einem Vater und einer Mutter grossgezogen zu werden. Zudem: Ein Kind wird irgendwann wissen wollen, wer sein Vater ist. Dies führt zu gewaltigen Problemen – durchaus auch psychischer Art.

Und die lautstarke LGBTQ-Lobby, welche notabene nur eine absolute Minderheit von Menschen vertritt, verfolgt noch ganz andere Ziele. Bereits liegen Forderungen nach Eispende und Leihmutterschaft auf dem Tisch. Natürlich sagt man auch hier, dies sei nicht vorgesehen. Doch wie kann man einem schwulen Paar verweigern, was man einem lesbischen Paar gewährt?

Darum: Wehren wir den Anfängen – Nein zu diesem Etikettenschwindel!

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