Leserbrief
Populisten gibt es nicht einfach so

Zum Glück sind wir Schweizer so langweilig, Ausgabe vom 15. Dezember

Urs Schenker, Hüttwilen
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Stefan Schmid übertreibt in seinem Leitartikel die Vorzüge der direkten Demokratie, beleidigt die englischen Stimmbürger und demokratisch gewählte Regierungen. Er ortet in seinem Leitartikel in Deutschland, Italien, Frankreich und anderswo böse Populisten sowie vom Volk gewählte Hokuspokus-­Regierungen. Und in England hätten Hasardeure das Volk zum unvernünftigen Brexit verführt. In der Schweiz dagegen sieht er die Phase des Populismus überwunden, weil hierzulande sich Kräfte einer reifen, aufgeklärten Gesellschaft nicht mehr jeden Bären aufbinden liessen und stattdessen brave Lösungen postulierten. Dank Referenden und Initiativen könne eine kleine Anzahl von Bürgern ihre Anliegen an die Urne bringen und gewinnen. Dem Volkswillen wird dann zuweilen mehr schlecht als recht entsprochen, was die geringe Stimmbeteiligung erklärt.

Übrigens, Populisten gibt es nicht einfach so. Sie werden von Wählern gewählt. Wenn sie dann zweistellige Resultate erzielen, ist wohl etwas faul im Staate Dänemark. Und die Populisten sind bestimmt nicht mit deren eigenen Mitteln zu schlagen. Das wäre paradox. Es ginge nur auf demokratische Weise mittels einer Volksinitiative: «Populisten in den Knast».