Gastkommentar

Peach Weber: «Ich habe Christoph Blocher und Irina Beller einen Fresskorb geschickt»

In seiner Kolumne schreibt Kabarettist Peach Weber, er habe die Härtefallklausel angewendet, so dass notleidende Prominente nicht elendiglich verhungern müssten.

Peach Weber
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Peach Weber. Der Komiker steht seit 40 Jahren auf der Bühne. Auf den 15. Oktober 2027 ist seine Abschiedsvorstellung im Hallenstadion Zürich terminiert.

Peach Weber. Der Komiker steht seit 40 Jahren auf der Bühne. Auf den 15. Oktober 2027 ist seine Abschiedsvorstellung im Hallenstadion Zürich terminiert.

Wellkomm tu se Glarnerländ! Nein, das ist kein Aufruf für Ferien in der Schweiz, dafür wurde ja schon erfolgreich geworben. Nein, ich muss zuerst meinen Frust loswerden: Meine geplante Velo-Reise durch Kasachstan, Usbekistan, Aserbaidschan und Kamputschistan musste ich zähneknirschend annullieren, weil das freche BAG diese Länder auf die Liste gesetzt hat und ich anschliessend 40 Tage in Quarantäne müsste. Für jedes Land 10 Tage – oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Das ist jetzt schon ein paar Tage her. Aber so ist es mit allem, was man in einer Kolumne, die nur alle sieben Wochen erscheint, als Thema verbraten möchte, man trifft selten die unmittelbare Aktualität.

Zum Beispiel die Rente von Blocher, darüber wurde praktisch schon alles geschrieben. Viele fanden es unanständig. Der Erste aber, der für Verständnis bat für sein Herrchen, war natürlich sein getreuer Köppel, der uns erklärte, dass Blocher in Firmen und Anlagen investiert sei und deshalb zu wenig Liquidität besitze, um die gemeinen Vermögenssteuern zahlen zu können. (Ich hoffe, dass er nicht noch KK-Verbilligung beantragt.) Ich war zu Tränen gerührt und habe sofort einen Fresskorb, liebevoll zusammengestellt vom Volg, nach Herrliberg geschickt und zwar mit Triple-A-Post, damit die Familie Blocher nicht – inmitten der millionenteuren Anker-Bilder – elendiglich verhungern muss. Ich bin halt ein herzensguter Mensch und brachte einfach spontan die Härtefallklausel zur Anwendung.

Und weil die Frauen im Volg das so schön gemacht haben, bestellte ich gleich noch einen zweiten für Irina Beller, die scheinbar jetzt auch den Gürtel enger schnallen muss und eine Million weniger ausgeben kann, denn:

Ich will dort helfen, wo die Not am grössten ist, jedenfalls die geistige.

Apropos: Vera Dillier brachte St. Moritz immerhin die tröstliche Bilanz, dass man nur 31 St. Moritzer auf ihren Geisteszustand untersuchen müsste.

Auch schon ein paar Tage her: Da beschweren sich die Pflegepersonen im Insel-Spital über den geschenkten Kugelschreiber, was für ein undankbares Pack! Habt ihr schon vergessen, dass wir euch mehrmals für eure Leistung mit minutenlangem Applaus gedankt haben. Jetzt fordert ihr auch noch einen anständigen Lohn, so war es auch nicht gemeint!

Alles nicht ganz aktuell, nur auf einen kann man sich verlassen, der macht so regelmässig fragwürdige Aktionen, dass schon nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung eine gerade aktuell sein muss.

Eine billige Aldi-Aktion

Sein neuestes Highlight: die Aldi-Aktion. Da drängt sich doch das Wort «billig» direkt auf. Und das ist sein Markenzeichen, anstelle von konstruktiver Mitarbeit haut er lieber ab und zu eine Billig-Aktion raus. Da muss man nicht viel studieren, bekommt aber garantiert eine Schlagzeile im «Blick» und darin kann er sich dann genüsslich suhlen, der Ex-Häuptling von Oberwil.

Dort war sein grösstes «Verdienst», dass er sich und seinen Untertanen eine Art geschützte Werkstatt konstruiert hat, indem er, dank der Nähe zu Zürich, mit sehr tiefen Steuern die sympathischen Steuernnichtzahlenwollenden anlockte.

Das kann man als «bauernschlau» definieren, aber auch als «unsozial», je nach politischer Couleur.

Was mich erstaunte, war das Gerücht, Blocher sei über die Glarner-Kandidatur «not amused», wie sein königliches Pendant, die Grossbri-Tante, zu sagen pflegt. So einen kann man doch im Wahlkampf brauchen, aber auch nur dort.

Für diese SVP-Forderung würde ich Unterschriften sammeln

Doch zum Schluss noch ein grosses Lob für die SVP: Sie hat es mit der Härtefallklausel vorausgesagt und genau so ist es eingetroffen. Da muss nachgebessert werden. Jeder angehende Delinquent weiss, was ihm blühen kann und muss nicht im Nachhinein jammern, er sei ein Härtefall, nur weil ihm sein Anwalt geraten hat, noch schnell seine Freundin zu heiraten oder sich pro forma scheinheilig zu entschuldigen.

Da würde ich sogar Unterschriften sammeln.