Kolumne
Papa-Blog: Wie im absurden Theater! Warum Autofahren mit Kindern beste Unterhaltung ist

Manche Autofahrten mit Kindern sind die Hölle. Andere machen richtig Spass. Wie diese hier, kürzlich von Goldach nach Heiden. Zufälligerweise lief das Aufnahmegerät mit.

Ralf Streule
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Wirres und Lustiges vom Rücksitz.

Wirres und Lustiges vom Rücksitz.

Bild: Getty Images

20 Minuten im Auto von Goldach nach Heiden - unzensuriert und fast ungekürzt. Die Protagonisten: Der achtjährige Sohn (nennen wir ihn Max), der 6-jährige Sohn (nennen wir ihn Nils) und Papa.

Max: Papa, was heisst Oldtimer?
Papa: Oldtimer ist englisch und heisst 1:1 übersetzt Altzeiter. Ein altes Ding, quasi. Man bezeichnet damit alte Autos.
Max: Bei Lucky Luke sagen sie einem alten Mann auch Oldtimer.
Papa: Stimmt, manchmal sagt man das auch bei Leuten - oder auch bei Pferden oder so - aber meistens sagt man Oldtimer bei Autos.
Nils: Was heisst Oldtimer?
Papa: Das habe ich jetzt gerade erklärt: Das ist englisch und bezeichnet alte Autos.
Nils: Ich weiss.
Max: Wir haben gestern im Automuseum einen gelben VW, einen Oldtimer, vielleicht war er auch grün oder gar kein Oldtimer. Und, also ziemlich klein, und dann - nein der VW war gelb...
(Wir halten an einer Barriere.)
Nils: ...Papa, warum dürfen die Töffs vor der Barriere nach vorne fahren?
Max: ...der VW war gelb und...
Nils: ... warum dürfen Töffs nach vorne fahren?
Max: ...Papa, das schnellste Auto im Museum ist von 1965 bis.... (überlegt lange) bis 1995 gebaut worden.
Papa: Das ist so lange gebaut worden? Wie heisst dieses Auto?
Max: Keine Ahnung.
Nils: Papa?
Max: Von uns bis zu dieser roten Tafel dort: So lange war das längste Auto im Museum. Papa, der ist sieben Meter lang. Oder nein, sieben Meter ist ein anderer. Oder zwölf, glaub. Zwölfeinhalb.
Nils: Dürfen die Töffs nach vorne fahren?
Papa: Ja, der durfte das glaubs schon...
Nils: Warum?
Papa: Weil Töffs schmal sind und eh schneller wegkommen, wenn die Barriere wieder aufgeht. Ich bin zwar gar nicht sicher, ob sie das wirklich dürfen.
Nils: Warum sind sie schneller?
Max: Doch, das dürfen sie. Sind wir noch nicht in Heiden?
Nils: Warum sind sie schneller?
Papa: Die sind flinker, weil sie weniger schwer sind.
Max: Sind wir noch nicht in Heiden?
Papa: Du musst dir das so vorstellen: Das Auto ist wie die schwere Hummel, der Töff die schlanke Wespe. Die Hummel kommt auch weniger schnell vorwärts als eine Wespe. (Ich stocke: Stimmt das überhaupt?)
Nils: Es gibt aber auch schwere Riesen-Töffs. Wie die im Töffrennen.
Papa: Die sind aber auch sehr flink.
Nils: Ebä. - Was machen sie dann dort, dass die so schnell sind, obwohl sie schwer sind?
Papa: Die haben ganz grosse Motoren.
Max: Es kommt doch gar nicht drauf an, wie gross der Motor ist.
Papa: Doch, grössere Motoren haben mehr Kraft. Und ein Töff mit einem gleich grossen Motor wie bei einem Auto, der hat dann mega Pfupf. Der ist dann viel schneller als das Auto, weil das Auto viel schwerer ist.
Max: Also müsste das Auto einen noch viel grösseren Motor haben, damit es gleich schnell ist wie der Töff.
Papa: Ja. (überlegt) Ja.
Nils: Aber dann wäre es ja noch schwerer als mit kleinerem Motor.
Max: Dieses Auto im Museum war zwölfeinhalb Meter lang. Kannst du dir das vorstellen, Papa, wie lang? Wie lang ist das etwa?
Papa. Von... HIER! bis ..... HIER! Von... HIER! bis ..... HIER!
Max: Das kann ich mir jetzt nicht so gut dings..., also vorst...
Papa: Ja, ich zeigs dir dann draussen mal. Da könnt ihr dann zwölf lange Schritte machen, dann seht ihr es.
Max: Zwölfeinhalb lange Schritte.
Papa: Schaut, der See, megaschön. Böötli!
Nils: Do gseht man den See huereguet.
Max: Huereguet!
Nils: Huereguet!!
Max: HUEREGUET!!
Papa: So, isch etz guet. (beide lachen)
Nils: Ehm, warum hat es hier so viele Töffkanonen runter? Manchmal hat es hier immer so Töffkanonen.
Papa: Kanonen? (lacht) Nicht Kanonen.
Nils: Nein. Kal... Kolonnen.
Papa: Ja, genau. Das ist, weil die miteinander Töfffahren gehen.
Nils: Einfach so ein bisschen rumfahren?
Papa: Ja.
Nils: Das darf man ja gar nicht.
Papa: Mollmoll.
Nils: Das ist Umweltverschmutzung.
Papa: Ja, hm, weisst du... das darf man halt. Gehst du dann lieber mal Velofahren? Statt go Töfffahren? Übrigens: Wir verschmutzen ja jetzt die Umwelt auch, wenn wir mit dem Auto rumfahren.
Max: Ja, und das noch mehr als die Töffs.
Nils: Ja, aber die machen das einfach so. Einfach so. Und wir müssen etwas in Heiden abholen. Und die fahren einfach achli ume. Da isch scho chli....
Max: Nils, das würde ich imfall nicht zu früh sagen. Wahrscheinlich rast du dann auch mit dem Töff herum, wenn du gross bist. Einfach so.
Papa: Vielleicht gibts bis dann ja Töffs und Autos, die der Umwelt überhaupt nicht mehr schaden.
Max: Und sonst erfinden Nils und ich ein söttiges Auto. Vielleicht. Oder Nils?
Nils: Ich mache dann ein elektrisches Haus. Da ist dann alles aus elekr...also aus Kabel, die sind dann aus dem besten Leim zusammengeklebt, dann kann man sie kein bitzli mehr auseinandernehmen. Und dann machen wir so ein Dach. Und dann ist alles so mit schwarzen und weissen Kabeln, dieses Haus.
Papa: Und was macht dieses Haus?
Nils: Da kann man drin wohnen. Oder schaffen.
Papa: Was ist denn das Elektrische an diesem Haus? Macht es Strom?
Nils: Ja, das macht Strom. Dann kann dort jemand, wenn er gerade kein Kabel findet, dort rauffahren und das Auto ans Kabel hängen und dort Zmittagessen und ein bisschen warten.
Max: Also, ich glaube nicht, dass das so ein grosser Erfolg werden würde. Dürfen wir Wellerman hören?
Papa: Ich habe gestern wieder emol Musik gehört, die ich als Kind oft gehört habe.
Max: Von wem?
Papa: Queen. Wollt ihr hören?
(Keine Antwort, ich stelle Queen ein, «Another one bites the dust».)
Papa: Gefällt euch das?
(Keine Antwort, immerhin gebanntes Lauschen.)
Max: Doch, ist noch schön.
(Ich wechsle auf «I want to break free».)
Max: Das ist aber nicht der gleiche Sänger.
Papa: Doch, Queen hatten aber extrem unterschiedliche Songs - und die Stimme von Freddie Mercury war extrem vielseitig.
Max: Vorhin wie ein Mann, jetzt wie eine Frau. Wieso sagst du, der «hatte» eine vielseitige Stimme? Lebt der nicht mehr?
Papa: Freddie Mercury ist schon lange gestorben. Er wäre so alt wie Opa.
Nils: Und die anderen von der Band?
Papa: Die leben noch alle. Sind alle etwa 75 Jahre alt.
Nils: Was haben denn die gemacht, als der Sänger starb? Kam ein neuer Sänger?
Papa: Nein, die Band hat dann aufgehört, das ist schon 30 Jahre her.
Max: Dann haben sie einfach keine Lieder mehr gemacht? - Oder was?
Papa: Ja.
Nils: Warum machen sie denn jetzt keine Lieder mehr?
Papa: Weil der Sänger gestorben ist.
Max: Warum holen sie nicht einfach einen neuen Sänger?
Papa: Der Sänger war sehr speziell, den konnte man nicht einfach ersetzen. Da haben sie ihre eigenen, neuen Musikprojekte gemacht.
Max: Warum ist er gestorben?
Papa: Wir sind da! Aussteigen!

Der Autor

Ralf Streule lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen (8 Jahre, 6 Jahre und 1 Jahr) in Goldach. «Sie können nur Buben», sagt der Kinderarzt.

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