Kolumne
Papa-Blog: Ggorona! Und andere sprachliche Stolpersteine

Wenn Kinder die Sprache entdecken, kann das ziemlich amüsant und erhellend sein, wie folgende Liste mit sprachlichen Stolperern zeigt.

Ralf Streule
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Bild: Getty

«Schreibt man Corona mit zwei G?»
Interessante Frage unseres Sechsjährigen, Ggorona! Das Spannende dabei ist ja: Als die ganze Sache mit Corona begann, wusste er noch nicht einmal, was ein G ist. Seine Annahme, dass ein hart ausgesprochenes G am Anfang des Worts wohl zwei G haben muss, kann man deshalb schon einmal als Fortschritt werten. Ggogga Ggola! Ist aber auch fies und kompliziert, die ganze Sache mit Co, Ca, Gi, Go und so weiter – und nicht in jeder Sprache wird's gleich gehandhabt.

«Ich bin der Kommandant des Spiels!»
Was mein Sohn beim Tischfussball damit meint? Captain? Spielführer? Spielgestalter? Nein. Er will das Spiel kommentieren. Und hat das richtige Wort dafür noch nicht gefunden.

«Liest du uns Häui Potter vor?»
Diese englische Aussprache! Warum aus Harry ein Häui wird, können wir uns nicht erklären, wir haben uns beim Vorlesen doch solche Mühe gegeben. Was wir aber gemerkt haben: Harry wird von fast allen Kindern, die wir kennen, als Häui ausgesprochen. Mit dem englischen R tut sich der Schweizer halt ein bisschen schwer.

«Schreibt man Corona gross?»
Wie war das noch einmal mit den Nomen? Was man anfassen oder sehen kann, wird gross geschrieben? Oder: Vor einem Nomen können Artikel stehen.... der Corona, das Corona, die Corona? Oder halt doch corona?

«Er kletert auf den Baum.»
Es tut weh im Auge. Das fehlende zweite T dehnt bei der Aussprache gefühlt das voranstehende E. Dass es da ein zweites T braucht, fühlt sich extrem logisch an. Ist es aber vielleicht doch nicht - merkt man, wenn man es erklären will. Was ich gelernt habe: Der schlichte Hinweis «klettert schreibt man mit zwei T» kann auch zu einem «kletertt» führen.

«Es ist soweit, das Mami schreit.»
Weniger ein sprachlicher Stolperstein, sondern eine kreative Reimschöpfung unserer Kleinen. Nicht, dass Mami oft schimpfen würde. Wenn es aber einmal soweit ist, bringen die Kinder mit dem selbst erfundenen Reim oft einiges wieder ins Lot. Manchmal aber auch nicht.

«Du bist diskoalafaziert!»
In diesem Wort vereinigt sich der Wettbewerbsgeist unseres Sechsjährigen mit seiner Vorliebe für Tiere. «Koalafaziert!» Tönt hübsch. Und wäre ein Titel-Tip für die «Blick»-Redaktion, sollte sich Australien bald für irgendetwas koalafazieren.

«Pukal»
Warum gewinnen ausgerechnet jene Kinder am meisten Pokale, die das Wort nicht aussprechen können?

«Wer den Boden angemalt hat? Ich gebe es zu: Ich war es nicht!»
Hm. Schön, stehst du offen dazu!

«Pornflakes»
Müssen wir uns Sorgen machen?

....und, aus der ähnlichen Kategorie, obschon bereits vor einigen Wochen beschrieben:

«Du Witzer!»
Auch fluchen will gelernt sein.

«Ich trinke keinen Alkorol.»
Zugegeben, der hier stammt nicht von meinen Kindern, sondern von mir. Bis zum vielleicht 16. Lebensjahr meinte ich, es heisse Alkorol. Seit ich ich es besser weiss, trinke ich ihn auch.

Der Autor

Ralf Streule lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen (8 Jahre, 6 Jahre und 1 Jahr) in Goldach. «Sie können nur Buben», sagt der Kinderarzt.

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