Kolumne
Papa-Blog: Dem Red-Bull-Banner hilflos ausgeliefert

Wer Kinder hat, weiss: Die Werbeindustrie macht hervorragende Arbeit. Wenn die Kleinen fast lückenlos die Sponsoren eines Skirennens aufzählen können, ist das für Eltern ziemlich unheimlich. Auch wenn die Kinder gar nicht wissen, was Red Bull ist.

Ralf Streule
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Rote Bullen, weit grösser als die Fahrer selbst: Die Werbung auf der Streif brennt sich bei den Kindern ein.

Rote Bullen, weit grösser als die Fahrer selbst: Die Werbung auf der Streif brennt sich bei den Kindern ein.

Bild: Getty

Über Kinderzeichnungen freuen sich Eltern immer. Und auch über diese eine ganz besondere Zeichnung kürzlich habe ich mich gefreut - aber eben auch leer geschluckt. Aber vielleicht sollten wir die Geschichte an einem anderen Ort beginnen.

Der Anfang war ziemlich harmlos. Der Kleine stand während dem Znacht vom Stuhl auf, machte eine kleine Tanzbewegung, und hauchte dann leise: «SRF 2!». Dann ein langes Giggeln der Buben, wir Eltern lachten mit. Auch wenn wir etwas perplex waren. Denn wir wussten: Dass der Bub das Signet des Schweizer Fernsehens mit den tanzenden Protagonisten nachmacht, hatte Mehrfaches zu bedeuten. Erstens: Bei uns läuft an Wochenenden im Winter wohl etwas zu oft SRF2 - also der Sportsender des Schweizer Fernsehens. Zweitens: Die Kinder schnappen an einer Ski- oder Langlauf-Übertragung Dinge auf, die uns nebensächlich erscheinen. Und drittens: Die Idee des Schweizer Fernsehens, über diese etwas seltsam anmutenden Tanzeinlagen ihren Fernsehsender SRF2 zu bewerben, funktioniert offenbar bestens.

Lange, vielsagende Zeichnung mit kleinen Fehlern

Etwas unheimlicher wurde es, als unser Ältester kürzlich vorschlug: «Chom mer lueged...» - und dann kam wieder diese gehauchte Stimme: «...Schneesport, auf SRF!» Auch dieser Slogan war also schon eingebrannt.

Und dann kam diese Zeichnung. Ein Skirennen, fünf A4-Blätter längs aneinander geklebt, ein Riesenslalom, 21 Tore, flüssig gesteckt. Als sportbegeisterter Vater ist man zunächst stolz auf die Detailverliebtheit: Starthäuschen, roter Zielbogen, Zeitanzeigen im Ziel, orange Sicherheitsnetze, eine Rangliste mit Namen, von denen wir nicht wussten, dass sie unseren Kindern bekannt sind. Wenn auch nicht alle richtig geschrieben: Loic Meiar, Ramon Zenheusern, Marco Schwarz.

«Kommt zuerst ein rotes oder blaues Tor?», fragte der Bub, als er zeichnete. Ich sagte spontan «rot», und lag damit prompt falsch, wie ich in den darauffolgenden Rennen merkte. Aber gezeichnet ist gezeichnet. Doch auch mein Sohn machte einen Fehler: Zenhäusern im Riesenslalom? Na bitte!

Immerhin: Die Kinder sind (noch) keine Red-Bull-Trinker

Was aber wirklich irritierte, war das gezeichnete Werbearsenal des alpinen Skisports. Von Café Zero über Red Bull (in Kitzbühel extrem präsent) und Helvetia war alles da - und sogar Produkte, die im Skisport meines Wissens nicht zu finden sind, fanden auf Bannern auf der Zeichnung Platz (Herma Etiketten, Fisher Price).

Ich habe mich entschlossen, mich über das gute Erinnerungsvermögen der Kinder zu freuen - statt mich über die Werbestrategen zu ärgern. Das Gute ist ja: Was Red Bull ist, davon haben die Kleinen (noch) keine Ahnung. «Ein Bier, glaubs», sagte der Kleine auf meine Nachfrage kürzlich. Da waren die Kinder der 1980er-Jahre dem damaligen Ski-Sponsor Rivella noch hilfloser ausgeliefert.

Der Autor

Ralf Streule lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen (8 Jahre, 6 Jahre und 1 Jahr) in Goldach. «Sie können nur Buben», sagt der Kinderarzt.

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