Kommentar

Nazivergleiche, Sexismus, Chauvinismus: Dieser Wattwiler Amtsarzt ist nicht mehr tragbar

Der Wattwiler Amtsarzt Rainer Schregel hält wenig von der offiziellen Coronapolitik des Kantons. Das ist illoyal gegenüber seinem Arbeitgeber. Die rote Linie überschritten hat er aber erst mit seiner unsäglichen Nazi-Polemik gegen eine Journalistin.

Stefan Schmid
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Stefan Schmid

Bild: Hanspeter Schiess

Der Beitrag auf Facebook ist zwar gelöscht. Doch sein Posting war stundenlang öffentlich sichtbar. Es wurde x-fach geteilt und kommentiert. Es war Rainer Schregels unkontrollierte und wutentbrannte Reaktion auf einen kritischen Artikel des «St.Galler Tagblatts». Die Zeitung hinterfragt seine rhetorisch und politisch martialischen und wissenschaftlich fragwürdigen Aussagen zur Coronapandemie. Immerhin ist der Mann offizieller Würdenträger des Kantons.

Das war dem Amtsarzt, der in dieser Funktion Menschen zwangsweise bis zu sechs Wochen fürsorgerisch unterbringen darf, zu viel. Er unterstellt der Autorin unter anderem, dass ihr der Artikel ein «feuchtes Träumchen» beschert habe. Herablassend referiert er seinen eigenen akademischen Werdegang, wohingegen es die Journalistin akademisch angeblich zu nichts gebracht habe.

Die Polemik gipfelte in der Aussage, die Journalistin wäre von Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels wohl als «mein kleines Mädchen» bezeichnet worden.

Meinungsäusserungsfreiheit und berechtigte Kritik an den staatlichen Coronamassnahmen in Ehren:

Hier geht ein offizieller Vertreter des Kantons deutlich zu weit.

Rainer Schregels Äusserungen sind sexistisch, chauvinistisch und in ihrer ideologischen Verblendung erschreckend für einen Mann, der sich im Namen des Kantons um das Wohl der Menschen zu kümmern hat. Ein Mann, von dem man erwartet, dass er jederzeit besonnen agiert und differenziert kommuniziert. Doch weit gefehlt. Er greift eine Journalistin auf primitive Weise an und zeigt damit, wie er mit einer weiblichen Kritikerin umzugehen pflegt: mit Schlägen deutlich unter der Gürtellinie.

Es kann für den Kanton, aber auch für seinen privaten Arbeitgeber Medbase, eine Migros-Tochter, nur einen Schluss geben: Rainer Schregel ist eine Fehlbesetzung. Wer öffentlich derart austeilt, wer seine Impulse offensichtlich kaum unter Kontrolle hat, gehört nicht auf einen verantwortungsvollen Posten, wie es jener des Amtsarztes nun mal ist.