Kommentar

Nach der Wahl von Beni Würth: Ein Schulterschluss ist nicht in Sicht

Die Ständeratsersatzwahl im Kanton St.Gallen brachte das erwartete Ergebnis. Bereits in fünf Monaten wird sich Wahlsieger Benedikt Würth erneut behaupten müssen. Höchstwahrscheinlich gegen neue Herausforderer.

Regula Weik
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Regula Weik (Bild: Urs Bucher)

Regula Weik (Bild: Urs Bucher)

Nun ist Benedikt Würth dort, wo ihn viele schon länger sehen: in Bern. Für weite Kreise im Kanton war er als Nachfolger von Karin Keller-Sutter im Ständerat gesetzt, lange bevor die Freisinnige als Bundesrätin überhaupt gewählt war. Würths gestrige Wahl ist unter diesen Vorzeichen überraschungsfrei. Spannend war einzig die Frage, ob er seinen Vorsprung auf die Konkurrenten aus dem ersten Wahlgang noch ausbauen könne. Er konnte, wie das Wahlergebnis zeigt.

Doch: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Und diese steht bereits Ende Oktober an. Selbst wenn Paul Rechsteiner und Benedikt Würth sich bis dahin als neues, schlagkräftiges St. Galler Ständeratsteam positionieren können: Eine ruhige Bestätigungswahl steht ihnen nicht ins Haus. Die FDP wird versuchen, den ihr am Wochenende entschwundenen Sitz zurückzuerobern. Die SVP hat bereits Anfang Jahr vollmundig verkündet, wenn es bei der Ersatzwahl nicht klappe, greife sie im Herbst erneut an.

Angriffe auf Würth dürften auch im Herbst an ihm abprallen. Wollen FDP und SVP im Herbst reüssieren, müssen sie sich auf Rechsteiner einschiessen. Der profilierte Sozialdemokrat dürfte Einzelattacken gekonnt und ohne viel Aufhebens parieren. Ist den Bürgerlichen die von ihnen so hoch gepriesene ungeteilte Standesstimme tatsächlich wichtig, bleibt ihnen nur eine Taktik: Ein bürgerlicher Schulterschluss gegen Rechsteiner.

Davon scheinen CVP, FDP und SVP derzeit aber noch weit entfernt. Die CVP dürfte sich darauf konzentrieren, den eben erst gewonnenen Sitz zu sichern. Für FDP und SVP stellt sich die Kandidatenfrage. Tritt die SVP – wie angedacht – nochmals mit Mike Egger an, wird sie erneut scheitern. Die FDP muss eine neue Kandidatur aufbauen. Dass Susanne Vinzenz, die mit guten Chancen für den Nationalrat kandidiert, nochmals für den Ständerat antritt, ist nicht anzunehmen. Alles Vorzeichen, die zwar einen bürgerlichen Schulterschluss nicht ausschliessen, aber von diesem nicht viel Wucht erwarten lassen.