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Kommentar

Mountainbiker brauchen eigene Wege

Der Bike-Tourismus ist heute ein Massengeschäft. Graubünden hat deshalb schon vor Jahren alle Wanderwege für Mountainbiker frei gegeben. Für Ostschweizer Destinationen ist dies nicht zwingend die beste Lösung.
Michael Genova
Kopfsalat Online - Michael Genova

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Wanderer klagen über Mountainbiker, die von hinten heranpreschen. Biker ihrerseits fühlen sich zunehmend diskriminiert. Auch die Politik beschäftig sich mit dem Konflikt, doch nicht einmal die St.Galler Ratslinke ist sich einig. SP-Kantonsrat Martin Sailer fordert in einem aktuellen Vorstoss freie Fahrt für Mountainbiker auf allen St.Galler Wanderwegen. Sein Fraktionskollege Meinrad Gschwend von den Grünen hingegen will das unkontrollierte Wachstum illegaler Biketrails besser kontrollieren.

Die gegensätzlichen Positionen verdeutlichen: Das Feindbild ist nicht mehr eindeutig auszumachen. Es gibt ihn zwar noch, den Adrenalinjunkie, der ohne Rücksicht auf Verluste quer durch den Wald brettert. Aber längst nicht mehr alle Biker sind Draufgänger. Der Bike-Tourismus hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Massengeschäft entwickelt. Der Boom der elektrischen Mountainbikes wird diese Entwicklung noch verstärken. Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz rund 30'000 E-Mountainbikes verkauft – 40 Prozent mehr als im Vorjahr.

Graubünden hat dieses Wachstum vorausge­sehen und schon vor Jahren massiv in Infrastruktur und Marketing investiert. Die Bündner haben praktisch alle ihre Wanderwege für Biker geöffnet – ein Schritt mit grosser Signalwirkung. Sie haben auch keine Hemmungen, mit rasanten Trails gezielt die Wilden der Szene anzusprechen. Denn alleine mit gemütlichen Routen für Familien wird man nicht zum international bekannten Bike-Mekka. All dies zeigt: Die Bündner haben sich im Markt klar positioniert. Das sollten auch Ostschweizer Tourismusorganisationen beherzigen.

Doch die liberale Bündner Strategie ist nicht zwingend auch die beste Lösung für die Ostschweiz. Zwar beteuern die Touristiker, dass dank «gelebter Trail-Toleranz» das Nebeneinander von Bikern und Wanderern gut funktioniere. Allerdings ist die Zahl der Reklamationen in Graubünden seit 2011 deutlich gestiegen, wie der «Beobachter» kürzlich berichtete. Dazu kommt, dass die Berggebiete in der Ostschweiz kleinräumiger sind. Aus guten Gründen hat Appenzell Innerrhoden das Biken im gesamten Alpsteingebiet verboten. Denn an manchen Sommertagen stehen sich dort sogar die Wanderer gegenseitig auf den Füssen.

Bevor die Wanderwege also komplett frei­gegeben werden, braucht es klare Regeln. Auf gewissen Bergstrassen ist ein Nebeneinander problemlos möglich. An anderen Orten braucht es jedoch getrennte Wege: rasante Trails für Biker, sichere Pfade für Wanderer. Inzwischen arbeitet auch Graubünden an der Entflechtung seiner Wegnetze. Die Ostschweizer Kantone sollten dies von Anfang an tun.

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