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Kolumne

Mord ist keine Zukunftsinvestition

Der Fall Khashoggi wirft einen hässlichen Schatten auf Saudi Arabien. Trotzdem müssen die Gespräche mit dem Land weiterlaufen.
Miriam Meckel
Miriam Meckel.

Miriam Meckel.

«Nackte Wahrheit», der Titel eines Politthrillers, an dessen Ende man sich im Sofa zurücklehnt und kurz durchatmet: Fiktion, nicht Wirklichkeit. Darin betritt ein saudischer Journalist in hellgrauer Hose und dunkelgrauem Sakko das Konsulat seines Landes im türkischen Istanbul, um seine Hochzeitspapiere abzuholen. Kurze Zeit später verlässt er das Gebäude wieder und wird dabei von einer Sicherheitskamera aufgezeichnet. Original an diesem Bild sind aber nur Hose und Jackett. Der Mann darin ist ein Doppelgänger in der Kleidung, deren Besitzer da schon nicht mehr lebt. Mutmasslich ermordet von einem extra aus Saudi-Arabien angereisten Killerkommando, dem auch ein Pathologe angehört. Der soll den Getöteten mit einer Knochensäge bei klassischer Musik fein säuberlich zerteilt haben, um Abtransport und Entsorgung zu erleichtern.

Wir scheinen angekommen in einer Welt, in der nichts mehr unvorstellbar ist. Eine in der mittelalterliche Folter und Mord wieder zum Instrumentarium der Machtabsicherung gehören. Eine tribalistische Welt, in der ein saudischer Staatsbürger an helllichtem Tag auf türkischem Boden exekutiert werden kann. Das ist die Folge einer Zeitenwende nach dem inoffiziellen Abschied vom Multilateralismus. Dem haben nicht nur Despoten, sondern längst auch Präsidenten von bislang als demokratisch geltenden Staaten, wie Polen, Ungarn oder USA, die Freundschaft gekündigt.

Für Saudi-Arabien gab es neue Hoffnung. Prinz Mohammed bin Salman ist angetreten, sein Land zu reformieren. Mit einer Roadmap 2030 will er dafür sorgen, dass Saudi-Arabien weniger abhängig wird vom versiegenden Öl, die Wirtschaft diversifizieren, mehr Arbeitsplätze schaffen. Das alles ist dringend notwendig. Die Arbeitslosenquote liegt bei fast 13 Prozent, unter jungen Menschen sogar bei 25 Prozent. Im vergangenen Jahr ist das Land in die Rezession gerutscht. Die Zeichen standen auf Liberalisierung. Saudi-Arabien wurde attraktiv für Investments und als Investor. Der Kronprinz aber hatte offenbar vor allem sich selbst im Sinn. Mit dem «Public Investment Fund» schuf er ein Investitionsvehikel, das 300 Milliarden Dollar an Assets verwaltet und bis 2020 aufs Doppelte anwachsen soll. Statt dieses Instrument klug zu nutzen, hat er daraus eine One-Man-Show gemacht und einen Staat im Staat gebaut. Es geht offenbar nur um eins: die persönliche Erfolgsgeschichte von Mohammed bin Salman. Damit die Erzählung stimmt, müssen Widersprüche aus dem Weg geräumt werden, notfalls auch mit Gewalt.

Der grösste Widerspruch aber ist der Kronprinz selbst. Es gibt nur autoritäre Systeme oder den Wunsch nach Liberalisierung. Beides zusammen funktioniert nicht. Saudi-Arabien muss sich nicht nur aus der Abhängigkeit vom Öl befreien, sondern auch aus den Fängen Einzelner, die glauben, das Land sei nur Mittel zum Zweck ihrer persönlichen Macht. Es ist daher richtig, dass die meisten westlichen Unternehmenschefs der Investmentkonferenz in Riad ferngeblieben sind. Dies ist nicht die Zeit der symbolischen Solidaritätsbekundung für den mutmasslichen Auftraggeber eines Mordes. Trotz alledem darf man nicht das Gespräch einstellen. Die nackte Wahrheit über Jamal Khashoggi gehört ans Licht gebracht. Zu ihr gehört allerdings auch, dass mehr als 30 Millionen Menschen in Saudi-Arabien leben. Von denen blicken viele fassungslos auf das Treiben der Herrschenden. Sie sollten wissen, dass auch ihre Stimme in der west­lichen Welt gehört wird. Nicht nur die eines skrupellosen Wüsten-Macbeth.

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