Medien
Dialogisch: Das neue Zauberwort bei SRF

Die Nachrichtensendungen von Radio SRF wollen näher bei der Lebenswelt der Hörerinnen und Hörer sein. Der eingeschlagene Weg ist jedoch bloss gut gemeint.

Christian Mensch
Christian Mensch
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Seit dieser Woche klingt «HeuteMorgen», die Newssendung auf Radio SRF, etwas anders, etwas verwirrlicher, etwas aufgesetzter, etwas banaler auch. Oder wie es die Sendermacher gerne verstanden haben wollen: etwas dialogischer. Das Ziel der Programminnovation sei es, «auf die wichtigsten Informationen zu fokussieren», diese «besser zu erklären», und vor allem sie «näher an die Lebenswelt der Hörerinnen und Hörer zu bringen».

Vorbei ist damit die Vorstellung, bei den ausgewählten Informationen handle es sich ohnehin um die aktuell wichtigsten, die nach bestem Können erläutert werden und schon allein deshalb für die Lebenswelt relevant sind, weil sie wichtig sind. Hörer und Hörerin werden durch die Sendung geleitet als seien sie unmündige Dummerchen, denen im locker-flockig Dialogischen die Welt erklärt werden müsste.

Die Einführung der Fernseh-Nachrichtensendung «10 vor 10» (1990!) folgte einem ähnlichen Argumentationsmuster. Nur war damals die Umschreibung ehrlicher. Was heute als «dialogisch» beschrieben wird, hiess damals einfach «Infotainment», die Verschmelzung von «Information» und «Entertainment».

Schliesslich kann jeder Sprachwissenschafter erläutern, wie das dialogische Geplapper rhetorisch jene unterhaltenden Funktionen übernimmt, mit denen die harte Kost der Realität emotional bekömmlicher gemacht werden soll.

Radio ist vorwiegend ein Begleitmedium. Da mag es grundsätzlich seine Berechtigung haben, wenn ein durchhörbarer Musikteppich durch dialogische Anknüpfungspunkte durchbrochen wird. Doch wenn Radio auch als Informationsmedium ernst genommen werden will, sollte es auch die Intelligenz seiner Zuhörerschaft ernst nehmen.