Medenkolumne
Fertig Gratismentalität: Abos sind hip!

Wenn bereits Youtube und Twitter am Erfolg von werbefinanzierten Inhalten im Internet zweifeln und auf Abomodelle setzen, dann sind das gute Nachrichten für die Schweizer Medienbranche.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Schweizer Medien setzten zunehmend auf Bezahlmodelle.

Schweizer Medien setzten zunehmend auf Bezahlmodelle.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Kürzlich stöhnte ein Freund aus der Werbebranche: «Es sollte mal einer ein Abomodell für Reklame erfinden.» Wurden vor zehn Jahren noch die meisten Angebote im Internet mit Werbung finanziert, versuchen Firmen nun vermehrt, ihre Inhalte im Abonnement zu verkaufen. Die Pioniere sind die Streamingdienste Spotify und Netflix. Doch auch Newsmedien setzen mit Erfolg darauf. Was schlechte Nachrichten für die Werbebranche sind, sind gute für die Medien.

Im Branchenmagazin «Horizont» hat Axel Wüstmann, CEO von CH Media (Herausgeberin dieser Zeitung), verraten, dass dank der neuen Bezahlstrategie im Internet nun «zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder ein Wachstum bei den Abonnentinnen und Abonnenten verzeichnet wird». Der Rückgang von Print- kann also mit neuen Digital-Abonnements mehr als nur aufgewogen werden. Andere Medienunternehmen, die sich schon länger von der Gratismentalität verabschiedeten, haben diesen Wendepunkt schon früher erreicht. Die NZZ beispielsweise zählte 2020 zum ersten Mal über 200000 Abonnements.

Ein Wandel ist spürbar. Die Tech-Giganten aus dem Silicon Valley, die Erfinder des Gratis-Netzes, zweifeln an ihren alten Modellen. So bietet Youtube ein Premium-Abo für 15.90 pro Monat an, um die Videoplattform werbefrei nutzen zu können. Und Twitter testet in Australien und Kanada ein werbefreies Bezahlmodell des Kurznachrichtendienstes. Kurz: Abos sind hip.