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Kommentar

Massenentlassung bei Bischoff Textil: Zwischen Stuhl und Bank gefallen

Der St.Galler Bischoff Textil hat in den vergangenen Jahren eine klare Positionierung gefehlt. Was jedoch für alle St.Galler Textilunternehmen gilt: Sie müssen Fragen der Nachfolge und Erneuerung zügig, klug und vorausschauend angehen.
Odilia Hiller

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Odilia Hiller, Leiterin «Ostschweiz am Sonntag». (Bild: Michel Canonica)

Odilia Hiller, Leiterin «Ostschweiz am Sonntag». (Bild: Michel Canonica)

Das St.Galler Textilunternehmen Bischoff Textil plant eine Massenentlassung. 50 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Zurzeit läuft das Konsultationsverfahren mit den Behörden. Viel zu retten ist in dieser Phase in der Regel nicht mehr. Für die vom Stellenabbau Betroffenen ist dies eine besonders traurige Sache.

Aber auch für die Ostschweizer Textiltradition. Bischoff gehört im Bereich der St.Galler Stickerei zu den drei grossen verbleibenden Marken. Die anderen zwei sind Forster Rohner und Jakob Schlaepfer. Schlaepfer ging schon im Jahr 2016 von Filtex an Forster Rohner über. Beide, Forster Rohner und Schlaepfer, setzen konsequent auf Luxus, Innovation und Exklusivität: Kleinere Mengen Laufmeter ihrer Stickereien im Höchstpreissegment gehen an exklusive internationale Labels. Gleichzeitig tüftelt man an Neuheiten und Innovationen. Mit allem immer die Ersten sein, so lautet die Devise. Egal, wie oft sie danach von asiatischen Anbietern kopiert werden. Ein Beispiel? Wendepailletten, zurzeit auf der Brust jeder Dreijährigen dieser Welt zu sehen, sind ursprünglich eine St.Galler Erfindung.

Bischoff dürfte unter anderem zum Verhängnis geworden sein, dass die Firma sich zwar ebenfalls im hochexklusiven Bereich als Zulieferer der Haute-Couture und des Prêt-à-porter zu positionieren versuchte, jedoch aufgrund ihrer Produktionsbedingungen und Maschinen darauf angewiesen war, höhere Mengen zu produzieren. Und von der Ausrichtung her eher in der klassischen St.Galler Stickerei verhaftet blieb.

So verlangte Bischoff für seine in der Schweiz produzierte Ware zwar etwas tiefere Meterpreise als Forster oder Schlaepfer, konnte aber mit den Jahren mit der günstigen, immer besser werdenden asiatischen Ware preislich nicht mehr mithalten. So ist Bischoff im Exportgeschäft zwischen Stuhl und Bank gefallen.

Ob das Unternehmen es nun verpasst hat, sich rechtzeitig neu zu erfinden, oder ob ihm Galions­figuren wie Martin Leuthold (Schlaepfer) oder Caroline Forster (Forster) fehlen, die das Geschäft über hervorragende Beziehungen ins Ausland am Laufen halten: Ein harter Schlag für Bischoff muss der viel zu frühe Tod des charismatischen Verkaufsleiters Gianfranco Francioso in diesem Sommer gewesen sein, der die guten Kontakte nach Paris, Mailand und London pflegte. Der Verlust ist für das Unternehmen sicher mehr als eine Fussnote.

Es zeigt aber vor allem: Die St.Galler Textilunternehmen müssen Fragen der Nachfolge und Erneuerung in den kommenden Jahren zügig, klug und vorausschauend angehen. Denn fast alle wichtigen Köpfe – von Martin Leuthold bis Albert Kriemler von Akris – haben mehrere Jahrzehnte im Geschäft auf dem Buckel. Wie es nach ihnen weitergehen soll, darüber hört man noch sehr wenig.

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