Kommentar

Bitte kein Medikamenten-Nationalismus!

Die Schweizer Pharmafirma Lonza soll die USA bevorzugt mit Corona-Impfstoff beliefern. Die Walliser Firma muss den Druckversuchen aus Washington widerstehen.

Patrik Müller
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Patrik Müller, Chefredaktor Zentalredaktion CH Media.

Patrik Müller, Chefredaktor Zentalredaktion CH Media.

Sandra Ardizzone / INL

Während in Europa und den USA noch über den richtigen Ausstieg aus dem Lockdown debattiert wird, steht bereits die nächste heikle Frage im Raum: Wer bekommt wann den Coronaimpfstoff, sobald er entwickelt, getestet und produktionsbereit ist?

Es ist eine Frage von Leben und Tod. Zwar sind die Neuinfektionen in fast allen Ländern zurückgegangen. Aber erst mit einer Impfung wird die Angst vor Corona verschwinden, und erst dann können wir alle wieder ein normales Leben führen.

Beim Impfstoff darf sich nicht wiederholen, was sich bei den Schutzmasken abgespielt hat: Dass jedes Land nur für sich selber schaut und Lieferungen blockiert. Medikamenten-Nationalismus – das ist das Letzte, was die Welt braucht.

Doch leider hat er schon angefangen. Amerika wirft den Chinesen vor, sie hätten ihre Impfforschung ausspioniert. China drohte, Impfstoffe nicht in die USA zu liefern.

Die Schweiz hat mit Lonza in Visp ein Pharmaunternehmen, das zu den ganz wenigen Firmen weltweit gehört, die Impfdosen in riesiger Menge produzieren können.

Nun gerät Lonza unter den Druck der US-Behörden. Sie wollen von Lonza bevorzugt beliefert werden. Dazu passt, dass Donald Trump am Freitag einen Lonza-Verwaltungsrat zum Leiter seiner Impfoffensive ernannt hat.

Lonza tut gut daran, den Druckversuchen zu widerstehen. Jetzt geht es nicht um Deals. Sondern darum, einen Beitrag zur global koordinierten Bekämpfung der Pandemie zu leisten.

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