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Leserbrief

Zwei Lesermeinungen zur Vollgeld-Initiative

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 10. Juni über die Vollgeld-Initiative

Von Seiten der Initianten der Vollgeldinitiative wird behauptet, das sei doch alles sehr einfach zu begreifen und wer etwas anderes behaupte lüge, Bundesrat, Wirtschaftsverbände, Nationalbankvertreter und natürlich die Banken. Der Grundgedanke eines Vollgeldsystems ist tatsächlich sehr einfach. Wenn man denn nur ein solches System von Grund auf ohne Rücksicht auf alles, was ein international taugliches Finanzsystem ausmacht, wie Bau-Klötzchen zusammenbasteln könnte. Doch darin liegt die Krux. Früher lernte ich im Ökonomie-Studium den Begriff «ceteris paribus» kennen, will heissen, dass eine bestimmte Aussage nur dann als gültig betrachtet werden kann, wenn man alle anderen Einflussfaktoren des Umfeldes ausser Acht lässt, eben «ceteris paribus». Die Initianten kümmert ein solches Vorgehen der intellektuellen Redlichkeit offensichtlich nicht. Nur schon das Problem, wie man denn als einziges Land auf der ganzen Welt vom heutigen (nicht vollkommenen) Finanzsystem auf ein Vollgeldsystem übergehen könnte, wischen sie salopp zur Seite. Doch ein solcher Wechsel ist mit Verlaub schlicht und einfach nicht ohne gravierende Schäden an unserer Volkswirtschaft zu bewerkstelligen. Wie denn sollen zum Beispiel laufende Kredite in ein Vollgeldsystem überführt werden? Wer entscheidet über Kreditvergabe, Hypotheken etc? Wie würden vor allem internationale Unternehmen reagieren? Heraus aus der Schweiz mit Einschluss der Arbeitsplätze? Wie soll ein helvetisches Vollgeldsystem in eine internationale Finanzwelt, die anders tickt, integriert werden? Professor Baltensberger, einer der besten Kenner der Finanzwelt, sagt denn auch: «Die Umsetzung wäre höchst komplex und mit grossen Risiken verbunden. Es wäre ein Sprung ins kalte Wasser». Bei Lichte besehen ist die Vollgeldinitiative ohne «ceteris paribus» eine nicht sehr gute Idee – um es respektvoll zu sagen -, vor allem wenn versprochen wird, man könnte dem Volk dann Milliarden verteilen, was die NZZ als Märchen bezeichnet. Überdies ist es eine Zumutung, dem Volk vom hintersten Bergdorf bis zur Beiz im Niederdorf aufzuerlegen, sich in die komplexen Zusammenhänge der Finanzwelt zu vertiefen, um dann zu einem verantwortbaren Entscheid angesichts unabsehbarer Risiken fähig zu sein. Auch dieses Ansinnen ist voll daneben.

Carlo von Ah, Hünenberg


Das Ziel der Vollgeldinitiative ist es, eine Fehlentwicklung in unserem Staat zu korrigieren. Die Legislative ist verantwortlich für die Verfassung und Gesetzgebung, die Exekutive für die Umsetzung und die Judikative für die Rechtsprechung. Als unabhängiger Exponent der Exekutive ist die Schweizerische Nationalbank SNB laut Verfassung verantwortlich für die Geldpolitik und -schöpfung.

Heute kann die SNB nur Noten und Münzen – also 10 Prozent des Geldes im Umlauf – direkt steuern. Auf den allergrössten Teil der Geldmenge – die 90 Prozent in elektronischer Form – hat sie jedoch nur indirekten Einfluss. Dieses elektronische Geld wird vor allem von den grossen Privatbanken geschöpft. Gemäss Verfassung ist jedoch die SNB verantwortlich für die Geldmenge, die sich im Umlauf befindet. Die Vollgeldinitiative will nun diesen Verfassungskonformen Zustand, wie er war, als es noch kein elektronisches Geld gab, wieder herstellen. Ganz einfach. Und dennoch kolportieren die Gegner, bestehend aus sämtlichen Parteien, den Banken und der SNB selber, dass der Vorschlag der Initianten ungemein kompliziert, ein grosses Risiko und einzigartig auf der Welt sei. Warum? Aus Angst vor Veränderungen und Eigeninteressen an der heutigen verfassungswidrigen Praxis. Und diese Nutzniesser sind in Parlament und Wirtschaft gut vertreten.

Ich möchte Sie dazu ermuntern, es mir gleich zu tun und sich mit Google oder auf der Webseite der Initianten zu informieren. Ich hatte das getan, weil ich skeptisch war. Jetzt bin ich es nicht mehr.

Wir Schweizerinnen und Schweizer haben die einzigartige Möglichkeit, mit unserer Stimme bis am 10. Juni 2018 den Verfassungskonformen Zustand in der Geldpolitik wieder herzustellen.

Hans Heezen, Neuheim

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