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Leserbrief

Westen sieht Russland als praktisches Feindbild

Der Fehltritt der Aussenministerin, Ausgabe vom 20. August
Franz Gerhard, Gossau

Die österreichische Aussenministerin lädt den russischen Präsidenten zu ihrer Hochzeit ein. Was ist daran so schlimm? Hätte sie sich stattdessen für den rüpelhaften Clown aus dem Weissen Haus entschieden, dem mühsam geschlossene Verträge völlig wurscht sind und der heute nicht mehr weiss, was er gestern alles zusammengelogen hat, wäre ihr der Beifall sicher gewesen.

Man erinnere sich nur an das Spektakel in Davos, als Hinz und Kunz Mister Trump hinterherhechelten, um ihm auch noch das Pfötchen zu geben.Ich bin gewiss kein Freund von Putin, und es muss mir auch niemand vorrechnen, was dieser neue Zar schon alles angestellt hat. Aber ich wundere mich über die Einseitigkeit, mit der der Westen Diktatoren und Friedensbrecher behandelt.

Als Beispiel mag Saudi-Arabien hier genügen. Und wo man ein gutes Geschäft wittert, spielen auch Menschenrechtsverletzungen keine Rolle mehr. Der von den USA dominierte Westen sollte sich ehrlich eingestehen, welches Chaos er seit 1991 im Namen von Frieden und Freiheit angerichtet hat. Und das, nachdem mit Beendigung des Kalten Krieges die Chance bestanden hätte, die Welt gerechter zu machen und den drohenden ökologischen Kollaps abzuwenden.

Aber weil man sich einbildet, immer genau zu wissen, was für Afghanen, Iraker, Somalis oder Libyer das Beste ist, hielt man es für angebracht, dort durch militärisches Eingreifen für Ordnung zu sorgen. In Wahrheit ging es doch zuallererst darum, wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Da wurden Regierungen destabilisiert, indem man massenhaft Waffen an sogenannte Oppositionelle lieferte, die dann selbst nur ihre egoistischen Ziele verfolgten oder sich dem «Islamischen Staat» anschlossen.

Und Trump wird nicht müde, seine Vasallen in der Nato zu weiterer Aufrüstung zu drängen. Dabei ist der Militäretat des Westens schon elfmal so hoch wie der Russlands! Aber Russland, das verkünden unsere Politiker und Medien unisono, ist und bleibt der Bösewicht – weil ein Feindbild ja so praktisch ist. Sind wir noch zu retten? Fangen wir doch endlich an, selber zu denken!

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