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Leserbrief

Wer definiert, was würdig ist?

Ein angeblich sanfter Tod, Leserbrief in der Printausgabe vom 8. Juni
Alisa Engler, Nassen

Wiederholt wird von den Gegnern der Sterbehilfeorganisationen das Argument ins Feld geführt, dass der Druck, den die Gesellschaft ausübe, dazu führe, dass Menschen sich selbst als Last für die Umgebung empfinden und dadurch in den begleiteten Suizid getrieben werden könnten. Dieses Argument unterstellt auf subtile Weise, die Beeinträchtigung des freien Willens durch anonymen Druck. Denn wer ist die Gesellschaft, wenn nicht wir, jeder einzelne? Wenn ein Mensch für sich nicht befürworten kann, von den Ärzten am Leben erhalten zu werden, wie viel Druck wird dann ausgeübt? Wenn Menschen nicht mit der Lebenshaltung, möglichst lange zu leben, konform gehen und für sich einen anderen Weg wählen – wem steht es dann zu, darüber zu urteilen oder sogar zu versuchen, diesen Entschluss zu verunmöglichen? Was sich hinter geschlossenen Klinik­türen abspielt, in denen Menschen mittels fürsorglicher Unterbringung eingeschlossen werden, um zu verhindern das sie sich selbst «gefährden», hat nach meiner Erfahrung mit Würde und Achtung nicht mehr viel zu tun. Jedoch auch diese – meine Aussage – greift zu kurz, denn das Thema ist zu komplex, als dass man eine allgemeingültige Wahrheit aufstellen könnte, wie dies Andreas Näf tut mit seiner Aussage, dass Palliative Care ein immer «menschenwürdiges» Sterben bringe. Wer definiert, was würdig ist? Ich meine, jeder einzelne ist aufgerufen, seine Selbstwahrnehmung und Selbstverantwortung zu übernehmen, denn sie ermöglicht uns, «freie Menschen» zu sein, und diese unterlässt den Versuch, andere zu manipulieren, damit das eigene Weltbild nicht vom Sockel fällt.

Lassen wir doch jedem Menschen die Freiheit, so lange zu leben, wie die Medizin dies ihm ermöglichen kann, und lassen wir den Menschen auch die Freiheit, ihr Leben so zu vollenden, wie es ihnen richtig erscheint. Die Verantwortung – so es denn eine gibt – trägt jeder für sich selbst, und das ist auch gut so.

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