Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Leserbrief

Wenn niemand für irgendwas die Schuld trägt

Ein Leserbrief zur Verantwortung gegenüber der Umwelt

Mit 40 erhielt ich den Auftrag, einen Artikel über mich in der dritten Person zu verfassen. Anstatt einer Grammatikregel wurde mir ein Beispiel gegeben, weil ich mir sonst darunter nichts vorstellen konnte. Ich gehöre auch zu jenen Menschen, welchen mit Gleichnissen mehr geholfen ist als mit kompliziert juristisch formulierten Spielregeln. Ein riesiges Geschäft für Juristen, welche für sich jeweils die günstigsten Paragrafen herauspicken.

Es macht Spass, wenn in der Sendung «Alfons und Gäste» bei Menschen solches Unwissen witzig aufgedeckt wird. Es würde mich nicht erstaunen, wenn 80 Prozent der Schweizer den Genitiv nicht beherrschen (nichts zu tun mit Gen-Forschung). Trotzdem würde ich begrüssen, wenn in der Grammatik noch eine vierte Person eingeführt würde (Beispiel: keiner, niemand).

Immer wenn heutzutage Ursachen oder Schuldige gesucht werden, so will niemand schuld sein. Ein krasses Beispiel zeigt eine TV-Station, wenn sie von einem Autofahrer berichtet, welcher die Kontrolle verliert und auf dem Trottoir landet: «Der Fussgänger auf dem Trottoir hat sich tödliche Verletzungen zugezogen.» Sind Fussgänger eher anziehend als Models? Bei einem Flugzeugabsturz spricht man von Insassen anstatt von Passagieren (alles Verbrecher, also selbst schuld?).

Bei Mördern hingegen muss dringend von einer Unschuldsvermutung ausgegangen werden (dabei wäre doch eine Schuldvermutung noch keine Verurteilung?). Besonders schmeichelhaft finde ich etwa, wenn pauschal behauptet wird, jeder Schweizer trinkt 50 Liter Wein pro Jahr (wer säuft denn meine 49 Liter weg?).

Besonders bedrückend finde ich Sendungen am TV (und in dieser Zeitung) betreffend Plastikabfall und Nanopartikel. Leser, welche sich für die Sportseiten interessieren, fühlen sich leider nicht angesprochen von aufklärenden Artikeln, da für sie Umweltverantwortung eher nur als Hobby von Spinnern betrachtet wird. Wenn in der Sendung «Einstein» über die riesigen Mengen an Kleiderfasern in unseren Gewässern berichtet wird, würde kein Fussballer auf die Idee kommen, um zu überlegen, wie hoch sein Beitrag ist.

Es würde mich freuen, wenn bei Fussballern weniger über Siege über die Gegner berichtet würde sondern über mutige Selbstüberwindung, wenn diese beispielsweise Mut aufbringen würden, Blut zu spenden (der Menschheit auch etwas zurückgeben). Wenn Christian Brägger in seiner Kolumne über die Russen als liebenswürdige Menschen schreibt, so würde ich gerne wissen, ob er sich vorher die Sprache angeeignet hat und mit dem leidenden Volk in Kontakt getreten ist, bevor er sich dem «Olympia-Heuschreckenschwarm» angeschlossen hat. Ich selbst verzichte seit vielen Jahren auf Flugreisen und Kreuzfahrten trotz viel Zeit als Rentner.

Tony Stocklin, Steinhausen

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.