Leserbrief
Was heisst denn «gerne arbeiten», Frau Gössi?

«Wir müssen das Rentenalter erhöhen», Ausgabe vom 23. September

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FDP-Präsidentin Petra Gössi äussert sich im Interview zum Rentenalter. Sie sagt selber, sie hoffe, dass sie mit Freude bis 70 Jahre arbeiten kann, sie arbeite eben gerne.

Würde Frau Gössi zum Beispiel auf einer Baustelle oder in einer Werkstatt nach jahrzehntelanger körperlich fordernder Arbeit auch noch gerne bis zum 70. Altersjahr arbeiten?

Ist der Arbeitsmarkt für alle Personen über 65 ausgelegt? Oder gibt es zur Rentenaltererhöhung Alternativen, zum Beispiel eine Erhöhung einer der wahrscheinlich gerechtesten Steuern, der Mehrwertsteuer?

Martin Bachmann, Beromünster


Frau Gössi will den Fünfer und das Weggli. Ihre Logik wird kein normal denkender Arbeitnehmer in der Schweiz verstehen. Die Wirtschaft entlässt noch und noch Arbeitnehmer im besten Alter mit besten Qualifikationen und fordert nun über die FDP eine Erhöhung des Rentenalters.

Die Firmen entlassen Menschen, die sich ein Leben lang abgerackert haben und verweigern ihnen mit der vorzeitigen Entlassung zwischen 50 und 65 eine ordentliche Pension.

Der Staat (wir) sollen über unsere Steuern die Differenz bis zur Pensionierung berappen. Die Arbeitgeber suchen derweil im Ausland nach billigeren Arbeitskräften.

Und nun kommt Frau Gössi (FDP) auch noch mit der abstrusen Idee, das Pensionsalter rauf zu setzen, weil die Firmen endlich merken, dass in Bälde sehr viele gut ausgebildete und erfahrene Arbeitskräfte der Babyboomer-Generation aus dem Berufsleben aussteigen werden. Die Schweizer Arbeitnehmer merken die Absicht und werden ihnen an der Urne die richtige Abfuhr bescheren.

Franz Fessler, Knonau


Ich danke Frau Gössi für ihre Ehrlichkeit! Nun wissen die angehenden Rentner genau, was sie in Zukunft von der FDP erwarten dürfen: Keine Unterstützung für die AHV, da diese ja nur über die Mehrwertsteuer finanziert werden kann – und nicht etwa auch über die direkten Steuern.

Diese sollen wohl, gemäss bisheriger, «bewährter» FDP- Politik, für die gut situierten Steuerzahler weiter gesenkt werden. Und was verbleibt, steckt man lieber (in Milliardenhöhe) in neue Kampfjets, als dass man es etwa für Menschen einsetzt, die ein Leben lang gearbeitet haben und eigentlich ein würdiges Alter verdient hätten. Ist dies die Definition von «liberal»?

Und wenn Frau Gössi (als FDP-Präsidentin) Rentenalter 67 propagiert, ist dies leider nur noch zynisch – angesichts der Tatsache, dass sich ihre Partei (selbstverständlich zusammen mit der SVP) konsequent gegen einen ausreichenden Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmende einsetzt und diese bekanntlich auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance haben.

Jürg Ehrenbold, Luzern

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