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Leserbrief

Was früher funktionierte, wurde verbeamtet

Zum Artikel «Brückenangebot endet in der Sackgasse», «Zentralschweiz am Sonntag Zug» vom 29. Juli

Die Geschichte von Enzo Emch, der über das Integrations-Brücken-Angebot des Kantons Zug (I-B-A) ins kombinierte Brückenangebot kam, zeigt exemplarisch, wie ehemals flexible und aufs Individuum ausgerichtete soziale Institutionen durch eine auf administrative Abläufe fixierte Leitung in Schemata gepresst werden, die einer dynamischen Abwicklung ihrer professionellen Aufgaben entgegenlaufen.

Ich war fast von Anfang an am I-B-A als Lehrer dabei. Der damalige Rektor Fritz Michel liess den Lehrern den nötigen Freiraum, um eine Schule zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Schülerinnen entsprach. Wir genossen den Freiraum. Nach wenigen Jahren wurden die Schulleitungen eingeführt und später kam das I-B-A unter die Fittiche des neu erfundenen Amtes für Brückenangebote. Was früher schon funktionierte, wurde jetzt verbeamtet. Heinz Amstad war der Amtschef und seine Arbeitszeiterfassungsdoktrin, seine betriebswirtschaftlichen Vorgaben waren so lächerlich, dass die Ernsthaftigkeit, mit der früher gearbeitet wurde, sich mehr und mehr verflüchtigte.

Wichtig war die administrative Korrektheit. Das meist genutzte pädagogische Instrument die Excel-Tabelle. Die Beratungsstunden für die Lernenden hiessen neu Coaching. Mit dem selbstständigen Lernen im Lernatelier und den fragwürdigen Inputlektionen schwand die Beziehung zum Lernenden. Wenn Enzo Emch die kognitiven und emotionalen Fähigkeiten fürs Gymnasium hat, dann hätte das im I-B-A erkannt werden müssen. Fehlte der Beurteilung generierende Kontakt zum Schüler, um ihn richtig zu beurteilen? Falls aber Enzo Emch im Gymnasium überfordert wäre, hätten die Verantwortlichen das dem Lernenden und seiner Mutter erklären müssen. Im ersten Fall ein Mangel an Wahrnehmung und im zweiten ein Mangel an Kommunikation, als Folge einer Verkennung der tatsächlichen Bedürfnisse der Schulen durch das Amt für Brückenangebote.

Da wurden vor allem Führungsfunktionen ausgebaut und die Lernbegleiterinnen wurden auch Leiterinnen irgendwelcher Arbeitsgruppen. Das frisst Zeit, die dann dem Lehrer fürs Unterrichten fehlt. In der Ära Heinz Amstad und des freisinnigen Regierungsrates Matthias Michel wurden verbale Schaumschlägereien Trumpf. Input, Output, Steuerungswissen, ergebnislose Retraiten zum Steuergelder-Verbraten, persönliches Handlungsrepertoire vertiefen, Leitbild hin, Lernlayout her, Neubezug von Schulräumlichkeiten für Transparenz durch Glaswände, wo sich ausser der Leitung niemand wohlfühlt.

Man arbeitet jetzt am Workflow in der Q-Gruppe! Tönt gut. Leider gewichten die Begrifflichkeiten die Schule in die Richtung der administrativen und betriebsorganisatorischen Blasen, was eben dazu führt, dass Schüler in der falschen Schule, will heissen im falschen Angebot, auf der Brücke mit der falschen Weiterbildungsstrasse landen. Oder die Lehrerin hat zu wenig Zeit für die sachgerechte Kommunikation mit den Erziehungsverantwortlichen. Die Ressourcen richtig zu verteilen wäre eigentlich Aufgabe der Leitung, doch die produziert lieber Papiere, die besagen, dass «die Lehrerinnen einen Handlungs- und Entwicklungsbedarf in Bezug auf den Berufsauftrag, insbesondere den Unterricht definieren sollen», (der dann meist in einer Q-Gruppenschublade landet).

Fast alle Lehrer haben schon seit Jahrhunderten ihren Unterricht entwickelt, die Basis fürs Leben und den Beruf gelegt. Und alles ohne fantasiefressende Leitungssteuerung um ihrer selbst willen. Die wirtschaftlich erfolgreiche Schweiz ist der beste Beweis dafür.

Ruedi Beglinger, Allenwinden

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