Leserbrief
Von Guten und Bösen

«Auch Amerikaner sind hier aktiv», Ausgabe vom 20. September

Georg Eichmüller, Rheineck
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Im Tagblatt warnt die Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrates, Nationalrätin Elisabeth Schneiter-Schneider, vor Sanktionen gegen die «bösen Russen» wegen angeblicher Spionage gegen die Schweiz. Alle würden spionieren und manipulieren, insbesondere auch die USA. 1997 veröffentlichte der amerikanische Politologe und Politikberater Zbigniew Brzezinski «The Grand Chessboard» (das grosse Schachbrett), eine Art Zusammenfassung seiner geostrategischen Befunde und Einsichten.

Es ist ein Handbuch zur Erlangung und Bewahrung US-amerikanischer Weltherrschaft oder «full spectrum dominance» (Originalterminologie), von allen Präsidenten seit Carter befolgt. Alles ist drin. Nichts wird verschwiegen: von wirtschaftlicher und politischer Einbindung, simpler Erpressung, gekauften Medienkampagnen, bestochenen Journalisten, inszenierten Staatsstreichen, Regierungswechseln und Bürgerkriegen bis zu Wirtschafts-, Kredit- und Militärhilfe.

Die ganze operative Palette. Weil das ein längst bekannter und oft praktizierter Handlungsplan ist, fehlt ihm als wichtiges Merkmal einer Verschwörung die Geheimhaltung. Anderseits sind Kritiker solcher Praktiken natürlich auch keine Verschwörungstheoretiker. Aus Sicht der USA sind die von ihnen vertretenen westlichen Werte, die weitgehend auch die unseren sind (Demokratie, Marktwirtschaft, individuelle Freiheitsrechte, freie Medien usw.), bessere Werte als die von Diktaturen. Die schwierige Frage dabei ist, wie «robust» die Methoden sein dürfen, diese Werte zu verteidigen, ohne sie zu beschädigen?

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