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Zug: Verschiedene Meinungen zur städtischen Volksinitiative

Leserbriefe zur Abstimmung über die Volksinitiative «Ja zu Gewerbe und Läden in der Altstadt!» am 10. Juni.

Ich bin für eine lebendige Altstadt mit Bars, Läden und Gewerbe. Heute haben sich das Metalli und die Neustadt als Einkaufsmeile etabliert. Wenige flanieren noch bis zum Café Plaza: Spätestens dort ist dann der Umkehrpunkt zurück Richtung Stadtzentrum. Das wird sich ändern, wenn die Parkplätze auf dem Postplatz aufgehoben werden und der Platz neu gestaltet wird. Dieser Platz wird zum Verbindungsstück zwischen Neustadt und Altstadt und mehr Besucherinnen und Besucher in die Altstadt locken. Wenn wir den Postplatz schön gestalten, wird dies die Stadtentwicklung ändern und davon werden die Zugerinnen und Zuger ebenso wie das Gewerbe in der Altstadt profitieren. Die Aufhebung der Parkplätze auf dem Postplatz war eine Bedingung, damit das Parkhaus nebenan überhaupt erst gebaut werden durfte. Es ist rechtstaatlich bedenklich, dass nun einige den Kompromiss mittels Volksabstimmung ändern wollen und damit der Pensionskasse und der WWZ, den Betreiberinnen des Parkhauses Postplatz, finanziellen Schaden zufügen. Dies wird im Endeffekt auch die Stadt Zug sehr viel Geld kosten und wofür? Damit sich nichts verändert. Das Gewerbe ist am Serbeln, und wenn wir den Status quo zementieren, wird es dem Gewerbe nicht besser gehen. Die Arbeitsplätze in der Altstadt sind nicht durch eine Veränderung gefährdet, sondern weil sich nichts ändert. Wer das Gewerbe retten will, muss mit innovativen Lösungen aufwarten und die echten Probleme angehen, wie die hohen Ladenmieten oder die fehlende beziehungsweise geringe Laufkundschaft. Diese wird weiterhin ausbleiben, wenn die Altstadt nicht attraktiver wird. Mit einem schön gestalteten Postplatz wird ein schönes Zugangstor zur Altstadt geschaffen, das wieder mehr Menschen in die Altstadt lockt. Deshalb bin ich gegen die Parkplatzzwängerei und werde Nein stimmen zur Initiative mit dem irreführenden Titel «Ja zu Gewerbe und Läden in der Altstadt». Diese Initiative verhindert die Aufhebung der Parkplätze und somit eine Weiterentwicklung der Altstadt, die Gewerbe und Läden zugutekommt.

Anna Spescha, SP, Mitglied Grosser Gemeinderat Zug

Das Argument von Herrn Nachbar Stefan Hodel, dass es zur Zeit der Altstadtplanung noch keine Autos gab, ist nicht zu widerlegen. Es gab Ochsenkarren und Pferdefuhrwerke, die in keiner Weise kleiner waren als die heutigen Autos und wesentlich länger stehen blieben zum Entladen, als wenn heute jemand eine Hose in der chemischen Reinigung abholt. Die Idee pro Parkplatz acht Veloabstellplätze einzurichten ist besonders originell, weil diese noch immer nicht verkehrsfrei sind. Findet ein Autofahrer keinen Parkplatz für Kurzkommissionen, fährt er weiter zum nächsten Einkaufscenter. Findet ein Radfahrer keinen Abstellplatz, stellt er sein Gefährt irgendwohin, auf das Trottoir, in einen Durchgang, vor ein Schaufenster oder versperrt folgenlos den Fussgängerbereich und bezahlt erst noch nichts. Das ist wohl nichts anderes als eine Don-Quijoterie und heuchlerischer Populismus! Wir haben ein neues Parkhaus – juhui – also weg mit den oberirdischen Parkplätzen. Würde dieser Raum genutzt, um die Zufahrt und damit die Auslastung des Parkhauses zu verbessern, könnte das Sinn machen. Aber nein, es kommen die kreativen, originellen und gestalterischen Mitgenossen zum Zug und «vergeuden» diesen Platz mit ihren Geistesblitzen. Alle sprechen vom Flanieren, «Italianità», und Geniessen, nur vom Arbeiten will niemand etwas wissen. Im Leitartikel vom 1. Juni in der «Zuger Zeitung» sollen die Zuger zum Wort (vor 10 Jahren) stehen. Gesetze können geändert werden wie auch die Verfassung. Besonders wenn sich die Umstände geändert haben. Fürs Frauenstimmrecht brauchte es auch eine Anzahl Volksbefragungen bis es eingeführt wurde. Daher Ja zur Gewerbe-Initiative zum Nutzen fürs Volk, nur wer keinen Führerschein hat, soll Nein stimmen.

Rudolf Balsiger, Oberwil bei Zug

Jede neue Strasse bringt mehr Verkehr und einer Hydra gleich vermehren sich die Staupunkte, was zu weiteren Strassen führt. Wir haben nicht zu wenige Strassen, sondern zu viel motorisierten Individualverkehr (MIV) und zu wenig Platz. Die Autofahrer behindern sich selbst. Das Problem ist nicht nur die Menge an Individuen, die unterwegs sind, sondern auch deren Platzverbrauch. So braucht ein Auto mit Tempo 50 etwa 150 Quadratmeter. Dass wir nicht alle in einer Stadt so ohne Probleme unterwegs sein können, liegt auf der Hand, daher sind andere Verkehrsträger gefragt, die nur um die 10 Quadratmeter pro Person benötigen (Velo und ÖV). Es ist wichtig, dass der Verkehr auf den Strassen fliessen kann, damit die Handwerker, Krankenwagen, Transporte und so weiter ihr Ziel in vernünftiger Zeit erreichen. Unnötige Fahrten können den Verkehr stark beeinträchtigen und zu Stau führen. Eine Autofahrt beginnt und endet in der Regel bei einem Parkplatz und solche haben wir in Zug genügend. Ich habe noch nie gesehen, dass das Parkleitsystem in der Stadt Zug weniger als 500 freie Parkplätze angezeigt hat. Die Aussenplätze sind aber so sehr begehrt, da man wenn möglich etwa mit einem SUV nicht in ein enges Parkhaus fahren muss. Daher beeinflussen sie den Verkehr auf verschiedenen Ebenen. Erstens: Sie verursachen Suchverkehr. Zweitens: Sie beschränken die Verkehrsfläche. Drittens: Durch die Parkmanöver behindern und gefährden sie die andern Verkehrsteilnehmer. Viertens: Sie sind Ausgangs- und Endpunkt der Autofahrt. Wie viel unnötiger MIV in der Stadt Zug unterwegs ist, zeigt die Tatsache, dass 30 Prozent der Fahrten unter einem Kilometer liegen. Diese würden bei tieferer Parkplatzzahl und markant höheren Gebühren zu einem grossen Teil verschwinden. Wissenschaftlich ist auch schon lange bewiesen, dass Städte mit grosszügigen Fussgängerzonen, weniger Verkehr und abgestellten Autos für das Gewerbe viel attraktiver sowie gesünder sind, als Städte die vom MIV überrollt werden, in denen die Kunden ihren Weg zwischen parkierenden Fahrzeugen und der dahinter bildenden Kolonne hindurch zum Geschäft suchen müssen. Jeder Kunde, der mit dem Auto nach Zug kommt, wird dieses einmal verlassen und wird zum Fussgänger. Die Mehrheit dieser Kunden stellt sein Auto auf direktem Weg in eine Tiefgarage und geht dann einkaufen. Mit der Initiative für den Erhalt der Aussenparkplätze stellt sich Pro Zug gegen seine eigenen vernünftigen Kunden und schadet sich selbst.

Philipp Kissling, Mitglied des Vorstands VCS Sektion Zug

Gegen das Gewerbe? Nein, das ist mit Bestimmtheit niemand in der Stadt Zug. Uneinig ist man sich allerdings in der Frage, was nun für das Gewerbe förderlich ist und was nicht. Zu einer lebendigen (Alt-)Stadt gehören nicht nur attraktive Läden, freundliches Personal und ein vielfältiges Angebot, sondern auch Begegnungsorte mit einladender Aufenthaltsqualität. Die Stadträume müssen uns zum Verweilen und Flanieren einladen. Die Umgestaltung der Zeughausgasse zeigt, wie das Stadtbild sich positiv verändern kann und macht ein respektvolles Miteinander von Fahrzeugen und Langsamverkehr möglich. Besonders der Hirschenplatz hat dadurch einen neuen Stellenwert erhalten und erfreut sich grosser Beliebtheit, trotz vorbeifahrender Autos und fehlender Seesicht. Dass sich die Gäste des neuen «Pfauen» gerne direkt an der dicht befahrenen Grabenstrasse aufhalten, erstaunt ebenso. Dank der Linde sitzen sie im Schatten und geniessen das Geschehen. Dieser Tage durften wir wiedermal Fronleichnam auf dem Landsgemeindeplatz feiern. Da treten einem innerlich die Bilder des grosszügigen Postplatzes vor Augen, wie er einst diese Funktion erfüllte und Massen von Menschen aufnehmen konnte und nun wieder könnte. Seit 2008 wartete das Stimmvolk auf die Eröffnung des Parkhauses am Postplatz, und es wartet immer noch auf die Umsetzung der damit verbundenen Auflagen, die im Bebauungsplan rechtsverbindlich festgesetzt sind. Bekanntlich wird der obere und untere Platz umgestaltet und die dadurch oberirdisch wegfallenden Parkplätze werden in die Tiefgarage verlegt und dort zahlenmässig mehr als nur kompensiert. Der geschichtsträchtige Postplatz mit seiner wunderbaren Kulisse ist geradezu ideal, um multifunktional genutzt zu werden und für den Menschen da zu sein. Die Initiative des Gewerbes hat den falschen Ansatz. Sie setzt auf die Autos und würde uns nicht nur einen «unteren Autoplatz» bescheren, sondern uns zusätzliche 17 Parkplätze in dessen Umgebung aufzwingen. Wir Zuger wollen aber keine Autostadt sein, sondern wünschen uns eine lebendige Altstadt und mehr Lebensqualität. Dies erreichen wir, wenn mehr Menschen mit dem ÖV, zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind. Jedoch auch, wenn wir die Parkplätze unter den Boden verlegen, denn wer hier parkiert erzeugt keinen Suchverkehr und muss keine Parkbussen befürchten, sondern er kann flanieren und sogar spontan ein Altstadtgeschäft betreten. Wer langsam unterwegs ist, begegnet wieder seinen Mitmenschen und kann es sich leisten, stehen zu bleiben und einen Schwatz zu halten oder sich auf eine Bank oder in ein Strassencafé zu setzen. Ja, genauso wie es uns andere beneidenswerte Städte im In- und Ausland schon lange vormachen! Eine Kundenbindung erreichen wir nicht durch ein einmaliges kurzes Anhalten mit dem Auto, wie von einigen Leserbriefschreibern geschildert. Vielmehr muss jeder für sich sein generelles Kaufverhalten hinterfragen, wenn er die hiesigen (Altstadt-)Geschäfte am Leben erhalten will. Ich bin überzeugt, dass es nicht die Autos sind, die Leben für das Gewerbe und unsere Altstadt bringen, sondern die Menschen. Deshalb stimme ich Nein zu mehr oberirischen Parkplätzen im Altstadtbereich.

Isabelle Reinhart-Engel, CVP, Mitglied der Bau- und Planungskommission im Grossen Gemeinderat Zug

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