Leserbrief
Saurer auf dem Mond – und in Kiew

Hans Fässler, St.Gallen
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Die aktuelle Mondlandungs- Nostalgie treibt am Bodensee seltsame Blüten. Saurer ist auf den «Touch Arbon» stolz, der bei der Mondlandung dabei war. Die Arboner sollen 1969 ganz aufgeregt gewesen sein, weil sie «Teil der Mission waren, die Geschichte schrieb».

Der Grund dafür ist ebenso gesucht wie indirekt: Eine US-Firma hatte die Abzeichen der Astronauten mit einer Saurer-Maschine gestickt. Schon einmal war bei einer historischen Mission ein «Touch Arbon» dabei. Obwohl der Zusammenhang damals direkter war als bei den Apollo-Abzeichen, hielten sich 50 Jahre später die Emotionen in Grenzen. Als bekannt wurde, dass 1942 Saurer-Fahrgestelle bei der Vergasung von Jüdinnen und Juden zum Einsatz gekommen waren, hiess es, das habe mit Saurer und Arbon nichts zu tun.

Die Debatte um die Saurer-Gaubschat-Gaswagen soll nicht nochmals geführt werden. Aber die Apollo-Geschichte wäre Anlass zum Nachdenken, warum unsere Wahrnehmung (meine auch!) sehr selektiv sein kann – je nachdem, ob es um Erfreuliches oder um das Grauen geht.

Was direkte und was indirekte Beteiligungen einer Firma an heiklen Geschäften sind – die Frage bleibt aktuell. Sie stellt sich bei den immer lauter werdenden Forderungen nach Wiedergutmachung der Sklaverei, bei der Konzernverantwortungs-Initiative, bei Rüstungsexporten. Zum Thema «Zwischen Arbeitsplatzerhaltung und Unterstützung eines Unrechtsregimes» hätte Arbon sicher mehr beizutragen als die Freude über ein Abzeichen, auf dem der US-Adler auf dem Mond landet.

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