Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Leserbrief

Herr im eigenen Haus sein

Zur Abstimmung über die Vollgeld-Initiative vom 10. Juni

Die Initiative sei ein Experiment, heisst es immerzu. Selbstverständlich unterliegt kein Geld- und Bankensystem unabänderlichen Naturgesetzen, sondern wird von Menschen ausgedacht und umgesetzt. Als junger Kantonsrat hatte ich das Privileg vom unlängst verstorbenen Hans Christoph Binswanger zu lernen. Binswanger war der renommierteste Finanzwissenschaftler Europas, lehrte an der Hochschule St. Gallen. Spasseshalber hatten wir gewettet, wann es crashen wird. Ich sagte 2011, er meinte, es passiere wesentlich früher.

Dennoch war ich der einzige Schweizer Politiker, der die Weltfinanzkrise von 2008 prognostizierte (es stand in mehreren Zeitungen). Kurz vor dem Nahtod-Erlebnis der UBS im Herbst 2008 erschien mein Buch «Das Geheimnis von Montreux». In diesem von Binswanger gegengelesenen Roman erzähle ich, welche Menschen und Wertvorstellungen hinter dem gegenwärtigen Geld- und Bankensystem stehen, das nun alle Parteien als so bewährt verteidigen. Sie bedienen sich dabei derselben Angstmacherei wie bei der EWR-Abstimmung. Keines der damals prophezeiten Horrorszenarien ist eingetroffen. So wird es auch bei einer Annahme der Vollgeldreform sein, die die Revision des Bundesgesetzes über die Währungs- und Zahlungsmittel von 1999 rückgängig machen will, zu der die Öffentlichkeit nicht informiert ist; «Zahlungsmittel, die von Privaten ausgegeben werden, zum Beispiel von den Geschäftsbanken, werden nicht mehr geregelt. Es wird dem Markt überlassen», so der damals zuständige Finanzminister.

Während die Nationalbank also nur noch Münzen und Noten herausgibt, dürfen die Geschäftsbanken (wieder) unbegrenzt «Schweizer Franken» in Form von elektronischem Buchgeld schöpfen. Was sich seither in der hiesigen Finanzwelt alles ereignet hat, sprengt leider den Rahmen eines Leserbriefs. Rund 50 Prozent dieses nun privat hergestellten Geldes kommen von der UBS und der Credit Suisse: Private Unternehmen, die zu 80 Prozent ausländischen Investoren gehören. Vier Fünftel dieses Geldes geht zudem nicht etwa in die hiesige Realwirtschaft, sondern direkt ins Finanzcasino. Aber Geldschöpfung in Schweizer Franken erzeugt Ansprüche, die letztlich von der Schweizer Volkswirtschaft erfüllt werden müssen. Dafür müssen wir alle hart arbeiten.

Was soll nun daran gefährlich sein, wenn wir alle wieder nur noch echtes, tatsächlich vorhandenes Geld verwenden, wieder nur noch Geld verliehen wird, das tatsächlich existiert und wieder eine demokratisch legitimierte, dem Gesamtwohl verpflichtete Institution dieses Geld herstellt? Dafür haben wir die Nationalbank 1907 schliesslich gegründet. Präsident Thomas Jordan und sein Direktorium haben alle ein Vollgeldkonto. Der Souverän aber soll sich erneut mit (digitalen) Gutscheinen privater Unternehmen abspeisen lassen? Am 10. Juni haben Sie es in der Hand, auch den positiven Schluss meines Romans wahr werden zu lassen. Stimmen Sie mit Ja zur Vollgeld-Initiative.

Thomas Brändle, Initiativkomitee, Unterägeri

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.