Leserbrief
Gibt es eine Krise in der reformierten Kirche?

«Reformierte stehen vor Scherbenhaufen», Ausgabe vom 17.Juni

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Die Medien berichten (zu Recht) ausführlich über Ungereimtes in der obersten Führung der Reformierten Kirche der Schweiz. Sind deswegen nun 1,78 Millionen Reformierte in unserem Land allesamt in der Krise? Mitnichten!

Für uns Reformierte spielt die Hierarchie in unseren kirchenpolitischen Gremien (Synoden, Kirchenräte) nicht die Rolle, wie es der anderen grossen Konfession der Fall ist. Jede Reformierte und jeder Reformierter lebt seine Zugehörigkeit zur reformierten Glaubensgemeinschaft in aller erster Linie in seiner Kirchgemeinde.

Und hier an der Basis der Kirche spielt all das eine Rolle, was das Leben im christlichen Glauben ausmacht: die Gemeinschaft mit andern, das Füreinander da sein, die Seelsorge, die Solidarität, das christliche Bekenntnis. All dies steht auch im Zentrum der Verkündigung im reformierten Gottesdienst und in der kirchlichen Unterweisung der reformierten Kinder.

Ich durfte während vieler Jahre als Präsident einer reformierten Kirchgemeinde immer von neuem erfahren, dass Gottesdienst nicht nur dann stattfindet, wenn im Kirchturm die Glocken läuten. Und ich kann auch die begrenzte Bedeutung eines kirchlichen Amtes oder einer kirchlichen Behörde einschätzen: Ungereimtes in einem kirchlichen Gremium wirft zwar Schatten auf die davon betroffene Gemeinschaft, auf das in dieser Gemeinschaft täglich Geleistete hat sie aber nicht den grossen Einfluss, der in den Medien suggeriert wird.

Vielleicht hilft der Spruch, der aktuell am Turm der reformierten Kirche Gerliswil hängt, das Gegenwärtige richtig einzuordnen: «Auch Schatten können Licht ins Dunkel bringen.» Um zu erfahren, was in unseren Kirchgemeinden läuft und wichtig ist, empfehle ich den Besuch auf einer der vielen Websites der reformierten Kirchgemeinden des Kantons Luzern.

Max Siegrist, Emmenbrücke, ehemaliger Präsident der Reformierten Kirchgemeinde
Emmen-Rothenburg

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