Leserbrief
Es wird versucht, das eigentliche Problem zu verdecken

«Prominente FDP-Frauen gehen fremd», Ausgabe vom 29. Juni

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«Die Partei ist für mich nebensächlich, es ist der Mensch, der für mich zählt!», so weibelt die FDP-Vizepräsidentin Anne-Sophie Morand für Franz Grüter (SVP). Der Realität schon etwas näher kommt die Präsidentin der FDP-Frauen, Karin Ruckli, mit: «Ich schätze Andrea Gmür sehr, habe aber Mühe mit der Politik der CVP». Zwei Seiten später das halbseitige Inserat für Franz Grüter (Unternehmer wählen Unternehmer). Das ist gut so, es beweist, dass schon vier Monate von den Wahlen, sehr viel (unbekanntes) Geld zur Verfügung steht. Als mit den steigenden Krankenkassenkosten betroffene Familie wähle ich sozial handelnde Personen.

Als Rentner unterstütze ich sicher nicht Franz Grüter. Denn Grüter engagiert sich im Initiativkomitee mit dem Ziel, bestehende Pensionskassenrenten zu kürzen. Der SVP-Millionär von Eich hat zusammen mit Vertretern der FDP und GLP die Unterschriftensammlung mit dem Angriff auf die gesetzlich garantierten Renten im April gestartet. Mit der Initiative will die PK-Lobby vor allem ablenken. Wichtiger als die Diskussion um die angebliche Umverteilung von jung zu alt wird versucht, das eigentliche Problem zu verdecken. Jährlich betragen die Vermögensverwaltungs- und Verwaltungskosten der PK gut 5 Milliarden Franken. Über 4 Milliarden davon versickerten in der Vermögensverwaltung bei Banken und anderen Profiteuren der Finanzmarktszene. Immerhin hat der Bundesrat endlich beschlossen, die Vermittlungsprovisionen der Broker zu regeln. Denn es werden jährlich 300 Millionen Franken von den Prämien für private Vermittlerprovisionen abgezweigt. Die gut 1000 Milliarden Franken PK-Kapital für das Finanzbusiness sind ein Bombengeschäft. Jeder siebte Franken verschwindet so Jahr für Jahr bei der Vermögens- und Kassenverwaltung. So ist auch die massive finanzielle Unterstützung des SVP Ständeratskandidaten erklärbar.

Hansjörg Kaufmann, Luzern

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