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Leserbrief

Es ist Zeit, sich der Realität zu stellen

Bruno Facci, Ganterschwil

Seit 1994 gaukelt uns das Krankenversicherungsgesetz (KVG) vor, dass wettbewerbliche Massnahmen die Kosten im Gesundheitswesen dämpfen. Beseelt von diesem Glaubenssatz, zogen Gesundheitsökonomen durch die Kantone und entwickelten entsprechende Spitalstrategien. Diesen stimmten Regierungen, Parlamente und das Volk zu. In St. Gallen steht diese Strategie vor dem Scheitern. Deshalb sucht der Kantonsrat Schuldige und betreibt Vergangenheitsbewältigung mit Vorstössen ohne Ende.

Er würde sich besser der Tatsache stellen, dass das KVG gescheitert ist. Den Beweis dafür liefert das Obsan-Bulletin 3/2017: «Ob mit der Revision das Kostenwachstum mittel- und langfristig gebremst wird, lässt sich auf der Grundlage der vorliegenden Daten und Auswertungen noch nicht beurteilen.» Peter Fischer, ehemaliger CEO der Visana, VR-Präsident der Lindenhof-Gruppe in Bern und ehemaliger Spitaldirektor, sagt es so: «Die Rahmenbedingungen beinhalten Anreize zur Mengenausweitung und zu höheren Fallkosten, was eben dann höhere Gesamtkosten bedeutet. Die Gleichung ist einfach: mehr Spitaleintritte, mehr Fälle, mehr Umsatz.»

Erstens muss der Kantonsrat die eingesetzte Spezialkommission nun dazu zwingen, vorauszuschauen. Zusammen mit Gesundheitsfachleuten aller Disziplinen muss sie Zukunftsszenarien entwickeln für Angebote, welche die Bevölkerung wirklich braucht und die sich in den Spitälern als Leuchtturmangebote verwirklichen lassen, zum Beispiel für Palliativpflege, Demenzpflege, pflegegeleitete Stationen zur Nachbetreuung nach Spitalaufenthalten, Angebote für Entlastung pflegender Angehöriger, Tagesstätten und -kliniken usw.

Als Hebel zu verwenden ist dafür der im neuen Massnahmenkatalog des Bundesrates vorgesehene Experimentierartikel. Zukunftsträchtige Angebote sind für die betroffenen Regionen attraktiver als ein herkömmliches Spital, über dem ständig der Pleitegeier kreist. Und zweitens muss sich die nationale Politik endlich zu einer Gesamtrevision des gescheiterten KVG durchringen. Prämien- und Steuerzahler werden es danken.

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