Leserbrief
Ehe für alle – der feine Unterschied

Michael Lindenmann, Wil
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In ihrem Leserbrief vertreten die Verfasser die Meinung, «dass die Ehe auch in Zukunft aus der Gemeinschaft von Mann und Frau» bestehen soll. Als Regionalpräsident von Network Ostschweiz/Fürstentum Liechtenstein und als Vorstandsmitglied der LGBTI- Fachgruppe der FDP und der Jungfreisinnigen Schweiz stellt sich mir die Frage, ob sie mit ihrer Stellungnahme auf die zivile, auf die kirchliche Ehe oder aber auf beides abzielen. Hierbei muss klar zwischen dem einen und dem anderen unterschieden werden. Betrifft die politische Debatte doch nur das zivilrechtliche Institut der Ehe. Es geht um die Frage nach der Öffnung der Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare und in diesem Zusammenhang um den Zugang zum Adoptionsverfahren sowie zur Fortpflanzungsmedizin für gleichgeschlechtliche weibliche Paare. Am 30. August 2019 hat die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrats in der Gesamtabstimmung den überarbeiteten Entwurf zur parlamentarischen Initiative «Ehe für alle» angenommen. Der Nationalrat wird sich voraussichtlich in der Frühjahrssession 2020 mit der Ehe für alle weiter beschäftigen. Es ist mehr als angezeigt, dass die Schweiz hier einen Schritt weiterkommt. Stehen gleichgeschlechtlichen Paaren doch in mittlerweile 16 europäischen Ländern die Zivilehe und der Zugang zum Adoptionsverfahren offen. Dies sind namentlich die Niederlande, Belgien, Spanien, Norwegen, Schweden, Portugal, Island, Dänemark, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Luxemburg, Finnland, Malta, Deutschland, Österreich und auch das stark katholisch geprägte Irland. Von einer Öffnung des zivilrechtlichen Instituts der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare wäre die kirchliche Ehe in keiner Form betroffen. Können die Kirchen doch unabhängig und für sich selbst entscheiden, ob eine kirchliche Trauung in Zukunft auch gleichgeschlechtlichen Paaren offenstehen soll.

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