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Leserbrief

Doppelspur am Ostufer des Zugersees: «Umsetzung einer Fehlplanung»

Leserbriefe zum Artikel «Jahrelanges Hickhack ist zu Ende» in der Ausgabe vom 18. Juli.

Das Bundesgericht hat geurteilt, Zugersee Ost wird ab Mitte 2019 für anderthalb Jahre gesperrt. Nach einer ersten Durchsicht des 31 Seiten langen Urteils darf festgestellt werden, dass sich das Bundesgericht nicht materiell zum Projekt der Doppelspurverlängerung in Walchwil auf 2,3 Kilometer in geologisch heiklem und zunehmend stark bewohntem Gebiet geäussert hat. Denn «das Bundesgericht hat nicht zu überprüfen, ob die genehmigte Lösung die beste unter allen ernsthaft in Betracht fallenden Varianten ist, sondern lediglich, ob diese bundesrechtskonform ist» (Urteil Seite 10). Was den Walchwiler Gemeinderat und allen voran den Gemeindepräsidenten Tobias Hürlimann dazu bewogen hat, ein solches Projekt aktiv zu begrüssen, muss ich nicht verstehen – denn im fortgeschrittenen Alter und ohne politische Mandate gibt es die Gnade, nicht mehr immer alles verstehen zu müssen.

Was die SBB dazu bewogen haben, diese Doppelspur durchzustieren, gehört in die gleiche Kategorie. Der Kreuzungspunkt Walchwil mit 2,3 Kilometern Doppelspur, wie er nun gebaut werden wird, ist für den Fernverkehr nämlich nicht nötig, auch in fernerer Zukunft nicht.Je nach Fahrplanlage wird bei Inbetriebnahme des Zimmerberg Basistunnel II für den Fernverkehr eher ein Kreuzungspunkt nördlich von Walchwil benötigt – so wie es die Opposition gegen die nun gewählte Lösung im Kantonsrat von Zug damals verlangt hat. Mit heutigem Kenntnisstand macht die gewählte Variante der Doppelspur in Walchwil eigentlich vor allem für den Güterverkehr Sinn, als Ausweichstrecke.

Die von den SBB erwähnte Haltestelle Hörndli in Walchwil hat auch in Zukunft angesichts der Lage und der dort ansässigen Einwohnerschaft wohl kein relevantes Verkehrsaufkommen – für deren Bedienung im Halbstundentakt 90 Millionen Franken zu investieren, ist eine Verschleuderung von Steuergeldern. Und notabene ist der durchgehende Halbstundentakt für die S2 bis Arth-Goldau (zu schweigen bis Erstfeld) mit der neuen Doppelspur Walchwil nicht möglich. Mit einer weiter nördlich gelegenen Ausweichstelle wäre das aber sehr wohl möglich, inklusive besseren Anschlüssen an die Rigibahnen in Arth-Goldau.

Martin Stuber, alt Kantonsrat, Zug


Das Bundesgericht hat die Walchwiler Einsprache gegen den Bahnausbau auf Gemeindegebiet abgewiesen. Damit fällt die mutmasslich letzte Barriere bei der Umsetzung einer Fehlplanung in Form der 1,7 Kilometer langen neuen Doppelspurinsel, wo inskünftig S-Bahn-Züge kreuzen sollen. Angefangen hat es mit einem Gefälligkeitsgutachten, das die SBB bei einem Zuger Ingenieurbüro anfertigen liessen.

Die Variantenstudie schloss a priori die zweckmässigste und kostengünstigste Lösung einer S2-Ausweichstelle im Gebiet Murpfli aus, weil man unter keinen Umständen den Verdacht nähren wollte, beim Bau der Doppelspur (DS) Zug Oberwil sei arg gepfuscht worden (falscher Standort, zu kurz). Die Öffentlichkeit sollte hinters Licht geführt und aufmerksame Beobachter ausgegrenzt werden. Diese Strategie ist bis heute aufgegangen.

Unter Einbezug des schlanken Alternativstandorts Murpfli hätte sich selbst für Laien die 2010 in Betrieb genommene DS Oberwil als groteske Fehlinvestition entpuppt. Dieser Flop geht massgeblich aufs Konto des Zugerischen Amtes für öffentlichen Verkehr, weil der Kanton Zug kostenpflichtig und deshalb federführend war. Mit dem auf rund 90 Millionen Franken veranschlagten Walchwiler Projekt konnte man das Fiasko elegant verwedeln und einen peinlichen Reputationsschaden abwenden. Und wenn es anders gewesen wäre? Den Verantwortlichen die Lösung im Murpfli schlicht nicht in den Sinn kam? Die sinnlos verlochten Millionen an der Haltestelle Oberwil intern nie ein Thema waren?

Hinter dem Vorgehen von BAV und SBB ist aber auch eine verborgene Absicht denkbar: Nach Abschluss der Spreng- und Bohrarbeiten im steilen Gelände von Walchwil wird der ganze Doppelspurabschnitt 2,3 Kilometer messen, eine ideale Länge, um in ferner Zukunft nächtliche Güterzüge fliegend (ohne anzuhalten) kreuzen zu lassen. Dann werden die gegenteiligen Beteuerungen von heute längst vergessen sein.

Gerhard Schmid, Cham

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