Leserbrief
Die Politik ist 
zu abstrakt

Fanny Gysin, Riedt
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Immer mehr Parteilose in den Gemeinden, wie bedauerlich! Politikverdrossenheit wird zum Mantra der aktuellen Gesellschaft. Ein parteiloser Politiker, der situativ entscheidet, das heisst pragmatisch, tönt gut. Die Frage muss jedoch erlaubt sein, auf Grund von welchem Politwissen und welchen persönlichen Fähigkeiten hier entschieden wird. Viele Fakten verlangen eine längere Beobachtung der kulturellen, geschichtlichen und politischen Situation.

Politische Parteien, das bedeutet verschiedene Generationen, Berufs- und Bildungsstände, dieser Erfahrungsschatz ist nicht zu unterschätzen. Dazu befähigt die Arbeit in einer Partei, die Publikumsnähe und das gemeinsamen Erschliessen von Zielen. Dies kann wohl kaum von einer Einzelperson erbracht werden. Menschen interessieren sich nicht mehr für Parteien, weil die Politik extrem komplex und abstrakt ist. Den Glauben an eine einzelne, herausragende Persönlichkeit halte ich für falsch. Es ist sehr schade, dass wir in der Schweiz die politische Schulung der Bevölkerung seit Jahren sträflich vernachlässigen. Der Staat unternimmt nichts für einen niederschwelligen Zugang. Mehr Parteilose sind das Resultat davon.

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