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Leserbrief

Die Arroganz der «Experten»

Heinz Weber-Anderegg, Heiden

Sie profitieren von Katastrophenmeldungen. Ob Flugzeugabsturz, Attentat, Grossbrand Brückeneinsturz, Wirtschaftsmisere oder Kindsmisshandlung; plötzlich tauchen sie aus dem Nichts scharenweise auf: die «Experten». Bereit, zu jedem Vorfall sich besserwisserisch und spekulativ in den Vordergrund zu drängen. Wenn in Genua eine Brücke einstürzt, dann ist es ja klar, dass bei deren Bau vor sechzig Jahren dort natürlich nicht an der ETH ausgebildete Ingenieure am Werke waren. So ein Bauwerk kann ja nicht halten!

Und überhaupt, so etwas kann ja nur «bei denen» passieren. Die Arroganz der selbsternannten Experten machen sich gleichzeitig dann dümmlich fade Politnobodys zu eigen, indem sie glauben, mit pseudointellektuellem Nachgeplappere und Tweets ein paar Emotionen in einer gelangweilten Masse (zu ihren Gunsten natürlich) auszulösen. Dass Ursachen von Unglücken und Verbrechen analysiert werden sollen, um Erkenntnisse und Methoden zur Verhinderung oder Milderung von Wiederholungsfällen oder deren Folgen zu gewinnen, ist notwendig. Dass alles, was jeweils Gottseidank weit weg von hier passiert, auch bei uns vorkommt, wird der Popularität wegen vergessen.

Zwei zufällig ausgewählte Beispiele: Die Autobahnbrücke der A1 (damals das Projekt N1) in Winterthur ist glücklicherweise bereits während des Baus schon eingestürzt. Die herabfallende Hallenbaddecke in Uster hat Todesopfer gefordert. Was ich sagen will: Leben ist lebensgefährlich und Fehler macht man in der Regel nicht aus Vorsatz. Sich aber wie halt viele Politiker, Journalisten und sonst eher graue Mäuse mit Spekulationen und Pseudowissen an unbedarften Kommentaren zu Unglücken zu bereichern ist ganz einfach unwürdig.

Man kann trauern, ohne zu resignieren. Man kann aus Fehlern lernen, ohne zu verurteilen. Aber kann man auch berichten, ohne Emotionen zu manipulieren (die Presse zum Beispiel)? Diesbezügliche Versuche könnten sich lohnen. Mitgefühl braucht kein Publikum und keine Religion. Vielleicht aber ein wenig Bescheidenheit und Rücksichtnahme auf die Opfer, besonders wenn man nicht von solchen Unglücken selbst betroffen ist.

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