Leserbrief
Behindertenverbände sind nicht schuld an Planungsfehlern

Hansueli Salzmann, Leiter Procap SGA Markus Alder, Leiter Beratungsstelle für behindertengerechtes Bauen
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Planungsfehler dürfen beim Bau des neuen Mehrzwecksaals in Muolen nicht den Behindertenverbänden in die Schuhe geschoben werden. Ob Architektur gefällt oder nicht, darüber lässt sich streiten. Ob aber gesetzliche Grundlagen und verbindliche Normen eingehalten werden, da gibt es kaum Spielraum für Diskussionen. Dass ein neuer Mehrzwecksaal hindernisfrei zugänglich sein muss, ist seit Einführung des Behindertengleichstellungsgesetzes ­(BehiG) im Jahr 2003 sonnenklar. Allerdings erstaunt es, wenn 16 Jahre später Baufachleute und Behördenvertreter das Gesetz missachten und verbindliche Normen ausser Acht lassen. Die Beratungs­stelle für behindertengerechtes Bauen von Procap St. Gallen-Appenzell prüft daher bereits im Bewilligungs­verfahren die Planungsunterlagen und macht auf Versäumnisse aufmerksam und gibt Empfehlungen ab, wie die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden können.

Nur zu gerne würden wir das eine oder andere Mal Anweisungen geben, dass ein Lift eingebaut, Handläufe montiert oder ein Saal mit einer Höranlage ausgestattet werden muss, doch leider fehlen uns dazu die rechtlichen Grundlagen.

Bei gravierenden Versäumnissen können wir lediglich auf die Behörden einwirken, entsprechende Weisungen zu erlassen oder schlimmstenfalls mit einem Rekurs die Rechte von Menschen mit Behinderung einzufordern. Dies im Wissen, dass auch Mütter und Väter mit Kinderwagen, ­Rentner und Rentnerinnen mit Rollatoren oder einfach alle, die für einmal müde Beine haben, die Vorzüge der ­Barrierefreiheit schätzen. Wer heutzutage immer noch Kostenvoranschläge für öffentlich zugängliche Gebäude ­berechnet, ohne den hindernisfreien Zugang zu beachten, macht es sich sehr einfach damit, Kostenüberschreitungen den Behinderten­verbänden in die Schuhe zu schieben. Leider zeigt eine solche Haltung der Behörden, dass wir noch weit von Zielen der UNO-Behindertenrechtskonvention (UNO-BRK) entfernt sind, welche die Schweiz im Jahre 2014 ­ratifiziert hat.