Leserbrief
Bedrohungen: Kampfflieger nützen nichts

«Schweiz: Die Neutralität ist ein Mythos», Ausgabe vom 2. Oktober

Drucken
Teilen

Professor Laurent Goetschel erläutert im Interview, dass der schweizerischen Sicherheitspolitik eine realistische Bedrohungsanalyse fehlt. Damit meint er, dass wir unsere Sicherheit nicht mit Bekämpfung der Bedrohungen aus der Luft durch Kampfflugzeuge erhöhen können, sondern die anderen Bedrohungen wie Pandemien, Cyberattacken Terrorismus und Klima in die Überlegungen einbeziehen müssen. Nur dann können wir uns optimal vor Gefahren schützen. Direkt auf die Armee angesprochen, erklärt er aber überraschend, dass die militärische Bedrohung nicht weg sei, und dass deshalb viele Staaten Milliarden in Waffensysteme investierten. Deshalb brauche auch die Schweiz die Armee. Zum Thema Neutralität sagt er, der Angegriffene habe das Recht, sich zu verteidigen. Herr Goetschel meint also vermutlich, wenn das Ausland aufrüste, müsse es auch die Schweizer Armee tun. Dies ist schon erstaunlich zu hören vom Direktor der Schweizerischen Friedensforschung, welche sich um Beilegung von kriegerischen Konflikten bemühen sollte. Man ist geneigt, daraus zu lesen: in der Ferne schlichten, bei uns aufrüsten, Waffen produzieren, exportieren, das schliesst sich nicht aus. Weiter stellt sich die von ihm selbst aufgeworfene Frage, ob wir überhaupt noch neue Kampfjets benötigen, wenn die bisher fehlende realistische Bedrohungsanalyse zu andern Resultaten käme.

Der «Kampfjet-Einkaufszettel» auf der gleichen Seite bringt die ganze Sicherheits- diskussion endgültig zum Überlaufen. Dort steht, die Information über die Kampfjetbeschaffungsofferte der USA (inklusive umstrittene Bomben!) seien vor der Abstimmung bewusst unter Verschluss gehalten worden. Wie lange geht es noch, bis die schweizerische Sicherheitspolitik ihre Verantwortung wahrnimmt und einsieht, dass wir die uns tatsächlich bedrohenden Probleme, die Herr Goetschel richtig erwähnt, weder mit Kampffliegern noch mit andern Waffen werden lösen können?

Bernhard Estermann, Malters

Aktuelle Nachrichten