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Leidensweg Arbeitsweg

Bernhard Turnherr über den Ärger auf dem Weg zur Arbeit. Lohnt sich die ganze Anspannung?
Bernard Thurnheer
Bernard Thurnheer.

Bernard Thurnheer.

Ich bin ziemlich spät dran und fahre mit dem Auto los zur Arbeit. Schon beim ersten Kreisel stockt es. Da haben wohl viele die verstopfte Autobahn verlassen und einen Schleichweg gesucht. Ausgerechnet durch mein Dorf! Doch warum kriechen sie mit 40 km/h dahin, wenn die Sicht völlig frei und 50 km/h erlaubt sind? Vorwärts! Ich nähere mich einem Licht­signal. Noch ist es grün, doch mein Vordermann reduziert das Tempo, damit er bremsen könnte, falls es gelb würde. Natürlich wird es das, und zwar so, dass er bei Dunkelgelb noch durchkommt und ich stehen bleiben muss. Grr. Habt ihr auch schon daran gedacht, dass diejenigen, die hinter euch fahren, auch noch durchkommen möchten?

Endlich auf der Autobahn. Die rechte der drei Spuren gehört praktisch mir allein, die meisten Verkehrsteilnehmer schleichen auf der mittleren Spur vorwärts. Etwa einen Kilometer weiter vorne ist ein Campingbus zu sehen, den man bestimmt irgendwann wird überholen müssen. Da lohnt es sich nicht, nach rechts auszuweichen, da bleibt man lieber gleich auf der mittleren Spur. Ganz links überholt ein Last­wagen mit 85 km/h einen, der mit 83 km/h fährt. Gefühlter Überholweg etwa fünf Kilometer oder zwei Minuten. Dahinter natürlich ein langer Stau. Endlich läuft’s flüssig. Doch plötzlich: Brutales Bremsen vor mir. Warum? Da hat einer eine Radaranlage entdeckt und ist vor lauter Schreck voll aufs Pedal gestanden. Mit Glück entgehen die ihm Folgenden einem Auffahrunfall.

Autobahnausfahrt. Hauptstrasse. Rechts abbiegen. Weil die Fussgänger gleichzeitig Grün haben, kommt pro Grünphase genau ein Auto durch. Horror! Dann hält vor mir noch einer, weil er glaubt, ein Fussgänger werde die Strasse überqueren. Tut der aber nicht, der steht nur so da. Als ich endlich am Arbeitsplatz ankomme, schwitze ich, und ich bin mit den Nerven ziemlich fertig. Dank dem, dass ich höchst konzentriert und ein bisschen aggressiv gefahren bin, habe ­ ich die Strecke immerhin in 22 Mi­nuten hinter mich gebracht.

Es gibt aber auch die anderen Tage, diejenigen, an denen ich zu früh dran bin oder gar kein zwingender Termin auf mich wartet, und an denen es mir nicht pressiert. Ich fahre ganz ruhig und entspannt und weiss aus Erfahrung, dass die Licht­signalanlagen immer gleich eingeschaltet sind. Wenn ich schneller fahre, bedeutet dies lediglich, dass ich bei der nächsten Ampel etwas länger stehen muss. Ich lasse zuvorkommenderweise andere Verkehrsteilnehmer sich einfädeln und erreiche meinen Arbeitsplatz nach… 23 Minuten.

Die Frage, die sich aufdrängt, ist die: Lohnt sich die ganze Anspannung und Nervosität mitsamt höherem Pulsschlag und Zornesfalten im Gesicht für einen Zeitgewinn von einer schlappen Minute? Natürlich nicht! Aber sofort losfahren, wenn es grün wird, sollten sie trotzdem …

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