Kommentar

Kursgemetzel an der Börse: Die Suche nach dem neuen Gleichgewicht

Der SMI verliert an einem einzigen Tag 5,5 Prozent. Doch die Schäden zeigen sich erst in Monaten. 

Daniel Zulauf
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Daniel Zulauf

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Die jüngsten Kurskorrekturen an den Aktienmärkten sind atemberaubend. Seit Mitte Februar haben die wichtigsten Börsenindices in Europa um die 20 Prozent verloren. Die Kursentwicklung in der Schweiz ist nur unwesentlich besser.

Nach dem Einbruch der Erdölpreise scheint es für die Börsen rund um den Globus kein Halten mehr zu geben. Aus jedem ökonomischen Schreckensszenario lässt sich jetzt eine reale Möglichkeit konstruieren, umso mehr als sich in der Datenflut der Finanzmärkte für alles eine Bestätigung finden lässt: Die massive Abwertung verschiedener Währungen erdölexportierender Länder weckt Befürchtungen über deren Zahlungsfähigkeit.

Die starke Ausweitung der Risikoaufschläge auf Staatsanleihen innerhalb des Euro-Raums scheint eine neue Krise der Gemeinschaftswährung anzukündigen. Die sprunghaft ansteigenden Renditen auf Unternehmensanleihen mit knapp genügenden Bonitätsnoten könnten Vorboten einer Serie von Insolvenzen sein.

Doch die Häufung schlimmer Eventualitäten entspricht der Anatomie jedes Börsenkrachs. Dahinter verbirgt sich die Suche der Investoren nach einem neuen Gleichgewicht. Die noch Anfang 2019 erwartete Wirtschaftserholung in Europa ist bereits aus den Kursen eliminiert. Wenn der Boden erreicht ist, nimmt das Kursgemetzel ein Ende.

Die Schäden in der Realwirtschaft zeigen sich erst in den Monaten danach. Sie müssen nicht so gravierend ausfallen, wie die Märkte jetzt vorwegzunehmen scheinen.

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