Kommentar

Zurück in den sicheren Lockdown? – Weshalb die Rechthaberei der Coronaexperten anmassend ist

Experten, die den Bundesrat in Sachen Pandemiebekämpfung eigentlich beraten sollten, geben der Regierung öffentlich den Tarif durch. Sie überschreiten damit ihre Kompetenzen.

Stefan Schmid
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Stefan Schmid, Chefredaktor

Stefan Schmid, Chefredaktor

Bild: Hanspeter Schiess

Jetzt, wo die Infektionszahlen schweizweit stark steigen, kommen sie definitiv aus der Deckung: Jene Experten, die es immer schon gewusst haben, dass der Bundesrat endlich drastische Massnahmen ergreifen muss.

Lieber heute als morgen soll das Land stillgelegt, die Beizen geschlossen, die Sportstadien verriegelt werden.

Zurück in den sicheren Lockdown! Als wären wir Murmeltiere, die sich Ende Oktober in den gerechten Winterschlaf verabschieden.

Um Missverständnisse zu verhindern: Die Lage an der Pandemiefront ist tatsächlich ungemütlich. Abstand halten, Hände waschen, auf Kontakte verzichten, Masken tragen – das sind die Regeln, an die wir uns alle halten sollten. Die Krankheit ist und bleibt heimtückisch.

Dennoch irritiert die Vehemenz, mit welcher einige Virologen und ihrem Schlepptau datenaffine Medienschaffende schärfere Massnahmen fordern. Sie stützen ihre Argumentation primär auf Zahlen und fallen als Naturwissenschafter dem Glauben anheim, darin liege die einzige Wahrheit begründet.

Zahlen lügen nicht, klar. Nur besteht die Welt längst nicht nur aus Zahlenreihen.

Es gibt Zwischentöne philosophischer, politischer und weltanschaulicher Natur. Die Strategie, wie eine Pandemie zu bekämpfen ist, kann nicht einzig aus Daten hergeleitet werden. Es gibt kein absolut richtig und kein absolut falsch.

Gut, lässt sich der Bundesrat von Experten beraten, die über virologische und epidemiologische Kenntnisse verfügen. Noch besser aber ist, dass sich unsere Regierung nicht ausschliesslich an den Handlungsempfehlungen eines demokratisch nur mässig legitimierten Expertengremiums orientiert.

Politikerinnen haben im Unterschied zum Virologen umfassendere Lageanalysen vorzunehmen, bevor sie eingreifen. Es gibt Aspekte des Wohlstands, es gibt Freiheitsrechte, es gibt föderalistische und praktische Argumente, die es stets zu berücksichtigen gilt.

Möglicherweise muss die Schweiz schärfer gegensteuern. Einige Kantone haben das bereits in Eigenregie gemacht. Die Schweizerinnen und Schweizer sind nicht blöd. Die meisten haben in den letzten Tagen gemerkt, dass es wieder ernst gilt.

Experten jedoch, die öffentlich ultimativ drastische Handlungen jener fordern, die sie zu beraten haben, handeln anmassend. Das ist nicht ihr Auftrag.