Kommentar
Zuerst kostenpflichtige Tests, dann Zertifikatspflicht: Diese Reihenfolge geht nicht auf

Mit seiner Politik trägt der Bundesrat unnötigerweise zur Spaltung der Gesellschaft bei.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Tests für das Covid-Zertifikat sind ab dem 1. Oktober kostenpflichtig.

Tests für das Covid-Zertifikat sind ab dem 1. Oktober kostenpflichtig.

Keystone

Soll das letzte Bett einer Intensivstation einem 40-Jährigen Impfverweigerer, der an Corona erkrankt ist, oder einem 80-Jährigen geimpften Patienten zugesprochen werden? Wenn Ärzte solche Entscheidungen treffen müssen, dann hat die Politik versagt. Anders als während der ersten und der zweiten Welle verfügen wir jetzt dank wirkungsvollen Impfstoffen und grosser Testkapazität über die Mittel, um überfüllte Intensivstationen zu vermeiden, ohne dass die Freiheit der Gesellschaft gravierend eingeschränkt werden müsste.

Es ist deshalb richtig, dass der Bundesrat nun Vorbereitungen trifft, um die Zertifikatspflicht auf Restaurants, Fitnesscenter, Hallenbäder und Kinos auszuweiten. Man fragt sich bloss, warum erst jetzt? Gesundheitsminister Alain Berset sagt dazu lapidar: «Wer hätte vor zwei Wochen gedacht, dass die Zahlen so rasch steigen?» Die Antwort lautet: viele Experten. Vor allem aber: Es gehört zum Wesen der Vorbereitung, dass man sie frühzeitig anpackt.

Warum also zuerst lang und breit darüber debattieren, ob man die Tests kostenpflichtig machen soll, obwohl klar ist, dass damit die Infektionszahl nicht so rasch gesenkt werden kann? Apropos kostenpflichtige Tests: Diese werden die Spaltung der Gesellschaft unnötigerweise weiter vorantreiben: Denn mit Zertifikatspflicht und kostenpflichtigen Tests werden zumindest weniger gutbetuchte Impfskeptiker vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

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