Mindestkurs
Wir sitzen auf einem Pulverfass

Es geht auch mit dem neuen Euro-Mindestkurs – und zwar mehr recht als schlecht. Doch ist trotzdem Vorsicht geboten: Der starke Franken lässt das Geld locker sitzen. Vor allem im Immobillienbereich könnte die Blase platzen.

Andreas Schaffner
Andreas Schaffner
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Nationalbank Chef Thomas Jordan: Was wird er tun, wenn der Euro wegen der anhaltenden Griechenland-Krise abstürzt?

Nationalbank Chef Thomas Jordan: Was wird er tun, wenn der Euro wegen der anhaltenden Griechenland-Krise abstürzt?

Keystone

Die erste Zwischenbilanz nach der Aufhebung des Mindestkurses zeigt: Der grosse Stellenabbau blieb aus. Die Stimmung ist nicht euphorisch, aber noch wird gearbeitet. Der Bundesrat muss deshalb noch nicht künstlich die Konjunktur ankurbeln. Auch die Konsumenten bleiben erstaunlich gelassen. Das alles sind viel bessere Aussichten als noch im Januar von vielen prognostiziert.

Doch es ist noch keine Entwarnung. Der Eurokurs bleibt eine Zitterpartie. Gestern rutschte er gefährlich nah an der Parität. Viel hängt davon ab, ob die Europäer die Krise in Griechenland endlich in den Griff bekommen.

Kommt es noch dicker in Europa, bleibt schleierhaft, wie die Nationalbank den Schweizer Franken noch stärker schwächen kann. Noch «negativere» Zinsen könnten für die Banken gefährlich werden. Die Gefahr, dass die Kunden ihre Gelder lieber unter der Matratze verstecken, als zur Bank bringen, verstärkt sich. Der Notstand der Anleger würde sich noch mehr verschärfen. Dass dadurch Finanzblasen entstehen, die irgendwann einmal platzen können, ist gewiss.

Unter besonderer Beobachtung muss vor allem der Immobilienmarkt bleiben. Auch wenn die Situation nicht vergleichbar ist wie Ende der Neunzigerjahre, ist Vorsicht angebracht. Denn zurzeit wird gekauft wie wild. Wer kann, leistet sich eine Zweit- oder Drittwohnung. Kein Problem, wenn die Finanzierung korrekt geschieht. Sozialpolitisch birgt die Schere zwischen Schuldnern und Sparern jedoch auch hier Sprengstoff. Wir sitzen auf einem Pulverfass.

andreas.schaffner@azmedien.ch

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