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Kommentar

Schutzzölle: Willkommen im Dschungel

US-Präsident Donald Trump hat seine Warnung wahr gemacht. Die verhängten Zölle auf Stahl und Aluminium dürften bloss der Anfang sein. Der EU droht ein ausgewachsener Handelskrieg mit den USA.
Remo Hess, Brüssel
Auslandkorrespondent Remo Hess.

Auslandkorrespondent Remo Hess.

Donald Trump ist ein Präsident, wie er amerikanischer kaum sein könnte: grossspurig, Testosteron-gesteuert, leichtsinnig. Mit seinen Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium zeigt er «Appetit auf Zerstörung», wie ein Albumtitel von Guns N’ Roses heisst, einer ebenso uramerikanischen Rockband.

Im Vergleich zu Trump ist der Sound der EU aber nicht Rock ’n’ Roll, sondern eher Fahrstuhlmusik. Politiker in grauen Anzügen feilen an Kompromissen, tarieren Interessen bis zur Unkenntlichkeit aus. Verträge und internationale Regelwerke stehen über allem. Klar, dass sich Brüssel mit Trumps Kraftmeierpolitik schwertut. Soll sich die EU nun der Aggression aus den USA widersetzen, oder tut sie besser daran, den Forderungen aus dem Weissen Haus nachzu­geben? Immerhin ist die Stahlindustrie im Digitalzeitalter volkswirtschaftlich gesehen nicht mehr matchentscheidend.

Für Europas Spitzenpolitiker geht es ums Prinzip. Es geht um den Fortbestand des regel­gebundenen Welthandels, dass man Verbündete mit Respekt behandelt und nicht das Naturrecht herrschen lässt, wo der Stärkste gewinnt. Das ist auch der Kerngedanke des europäischen Projekts: Regeln bedeuten mehr als reine Macht. Dies zu demonstrieren, gilt als Selbstvergewisserung und als Botschaft Richtung Trump, Putin und die anderen Unilateralisten.

Die nächsten Wochen werden eine Bewährungsprobe sein. Schafft es die EU, die Reihen geschlossen zu halten? Oder zerfällt sie in einen heterogenen Haufen, der eine gemeinsame Aussenpolitik verunmöglicht? Dann hiesse es nämlich wirklich frei nach Guns N’ Roses: «Willkommen im Dschungel».

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