Meinerseits
Wie man zur Katze wird

Am Samstag war ich in Zürich an einer Halloween-Geburtstagsparty. Die Gastgeberin liebt Verkleidungen, weshalb wir uns, vor allem ihr zuliebe, immer besonders Mühe geben, uns möglichst überzeugend zu gewanden.

Bettina Hamilton-Irvine
Bettina Hamilton-Irvine
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Catwoman flirtet nun auch mit Frauen (Symbolbild)

Catwoman flirtet nun auch mit Frauen (Symbolbild)

Keystone

Eine meiner Freundinnen erschien als Büsi. Sie hatte sich extra aus einem alten Kunstpelzumhang Katzenöhrchen genäht und sah grossartig aus. Doch im Laufe des Abends stellte sich ein Problem ein: Sie musste immer wieder niesen. Anfangs versuchte sie noch, das Niesen zu ignorieren, aber irgendwann eröffnete sie uns, dass sie allergisch auf Katzen sei. Und deshalb wohl aktuell allergisch auf sich selber. Wir fanden das natürlich furchtbar lustig und das Ganze wurde zum Witz des Abends. Sie musste selber auch ein bisschen lachen, ärgerte sich aber auch: «Das ist doch bloss in meinem Kopf», sagte sie. Und wir: «Gesundheit!»

Natürlich könnte das Zusammentreffen der Katzenverkleidung und der Niesanfälle auch ein unglücklicher Zufall gewesen sein. Klar ist aber: Die Macht der Gedanken ist gross. Das ist mittlerweile in der Forschung unbestritten. So weiss man, dass es möglich ist, mit positiven Gedanken Schmerzen zu reduzieren und Krankheiten zu lindern. Sogar Epilepsie und die Aufmerksamkeitsstörung ADHS lassen sich so behandeln. Biofeedback zum Beispiel, das trotz des Namens nicht etwa eine alternative Heilmethode ist, sondern zur Schulmedizin gehört, zeigt einem Patienten auf einem Bildschirm, in optische Signale umgewandelt, Atemfrequenz, Blutdruck oder Muskelspannung. Der Patient lernt, über Entspannungstechniken, Erinnerungen oder Vorstellungen die unerwünschte Reaktion zu verhindern. Dies führe aus der negativen Gedankenspirale heraus und reduziere beispielsweise Migräne, sagte Neurologe und Schmerztherapeut Hartmut Göbel kürzlich zu «Spiegel Online». Eine vergleichbare Methode, das Neurofeedback, erzielt bei der Behandlung von Kindern mit ADHS sogar bessere Resultate als Medikamente.

Ich bin sicher, unsere Vorstellungskraft kann noch viel mehr. Aber für den Anfang ist es wohl sinnvoll, mal mit etwas Einfachem zu üben. Stellen Sie sich beispielsweise, wenn Sie gestresst sind, vor, Sie wären eine Katze. Katzen sind schliesslich Meister in Entspannung. Bleibt nur zu hoffen, dass Sie nicht allergisch auf sich selber sind. Aber wenn Sie genug trainiert haben, können Sie bestimmt auch das überwinden.

Bettina Hamilton-Irvine ist Journalistin und Kommunikationsleiterin. Sie wohnt in Dietikon.