Kommentar

Wettbewerbskommission befreit Swatch von Fesseln - doch das Urteil ist ein Widerspruch

Für die Swatch-Tochter ETA gibt es künftig keine Lieferbeschränkungen oder Lieferverpflichtungen für ihre mechanischen Uhrwerke. Das Urteil der Wettbewerbskommission ist aber widersprüchlich.

Roman Schenkel
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Roman Schenkel

Swatch ist frei. Der Hayek-Konzern hat in Sachen mechanische Uhrwerke keine wettbewerbsrechtlichen Fesseln mehr angelegt. Swatch kann seine Uhrwerke an Firmen beliefern, wie es ihr beliebt. Die Wettbewerbskommission Weko auferlegt dem Bieler Uhrenkonzern keine neuen Lieferverpflichtungen und Lieferbeschränkung. So steht es schwarz auf weiss im Urteil der Weko.

Nach den schlechten Halbjahreszahlen von dieser Woche, dürfte das Urteil in Biel mit Freude zur Kenntnis genommen werden. Seit über einem Jahrzehnt hatte Swatch dafür gekämpft, frei entscheiden zu dürfen, wem sie die mechanischen Uhrwerke und andere Teile seiner Grenchner Tochterfirma ETA liefern darf.

Doch definitiv verschwinden wird das Thema nicht. Denn das Urteil ist widersprüchlich. Als marktbeherrschendes Unternehmen unterstehe die Swatch-Tochter ETA weiterhin der kartellrechtlichen Kontrolle, schreibt die Weko im Urteil. Zwar gibt es inzwischen alternative Bezugsquellen für mechanische Uhrwerke, die historisch bedingte dominante Stellung der ETA besteht aber nach wie vor. Und gemäss Kartellgesetz darf ein solch marktbeherrschendes Unternehmen eben gerade nicht komplett frei entscheiden, an wen und welche Mengen es liefern möchte. Der Schlussentscheid scheint deshalb keiner, der für die Ewigkeit gezimmert wurde.

Die Weko schreibt denn auch in ihrem Urteil, dass sich bei «individuellen Abhängigkeiten einzelner Unternehmen» die Frage von punktuellen Lieferverpflichtungen stellen kann. Dafür stehe der Konkurrenz der zivilgerichtliche Weg offen. Die Swatch-Gruppe tut also gut daran, diese Grautöne im Urteil zu beachten. Sie muss sich überlegen, wie sie die neue Freiheit nutzen soll. Wird sie die Konkurrenz knallhart beschneiden, dürfte die nächste Klage schon bald in Biel in den Briefkasten flattern.

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