Kommentar

Wer Affen Grundrechte einräumt, spielt mit der Würde des Menschen

Basel entscheidet darüber, ob Affen Grundrechte erhalten. Die Initiative ist gut gemeint. Doch sie könnte das Tor zur Hölle öffnen. Denn wer Tiere auf die Stufe von Menschen stellt, der stellt den Wert des Menschseins an sich zur Disposition.

Pascal Hollenstein
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Pascal Hollenstein.

Pascal Hollenstein.

Manuela Jans-Koch

Soll der Staat Affen die Grundrechte auf Leben sowie körperliche und geistige Unversehrtheit zusprechen? Das Bundesgericht hat diese Woche den Weg für eine Volksabstimmung in Basel freigemacht, die dies fordert. Das oberste Gericht in der Schweiz setzte damit jene ins Unrecht, die ein Volksverdikt in dieser Sache mit verfassungsrechtlichen Argumenten zu verhindern suchten. Es sei, so Lausanne, den Kantonen unbenommen, die durch Völkerrecht und von der Eidgenossenschaft vorgegebenen Grundrechte materiell wie in ihrem Wirkungskreis auszudehnen.

Dass das Basler Volk in der Sache zur Urne schreiten kann, ist aus demokratischer Sicht zu begrüssen. Und faktisch würde sich durch ein Ja für die wenigen in Basel beheimateten Affen auch praktisch nichts ändern. Dennoch sollte man die Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Basler Affen-Initiative ist nicht einfach eine urban-verschrobene, aber letztlich harmlose Idee. Mit einem Ja würde die klare rechtliche Trennung zwischen Menschen und Tieren zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes in Frage gestellt. Was sympathisch daher kommt - wer will nicht, dass es Affen gut geht? - ist damit ein ein politischer und gesellschaftlicher Sprengsatz.

Die Initianten bestreiten im Kern eine fundamentale Differenz zwischen Affen und Menschen. Das zeigt sich alleine schon in der von ihnen benutzten Formulierung der «nicht-menschlichen Primaten». Die Botschaft ist klar: Mensch und Menschenaffe sind beides Primaten, weshalb sollen sie rechtlich unterschiedlich behandelt werden? Argumentiert wird mit der kognitiven Leistungsfähigkeit grosser Affen wie Orang Utans oder Schimpansen und ihrer Fähigkeit, Empathie auszudrücken. In Summe wird die Differenz zwischen Mensch und Tier damit verwedelt. Der Mensch ist ein Tier, wie der Affe es auch ist.

Diese Sicht steht in gewisser Weise in der Logik einer säkularisierten Gesellschaft. Wenn der Mensch nicht mehr nach Gottes Ebenbild geschaffen wurde, wie es uns die drei grossen Religionen gelehrt haben, so ist er letztlich nur eine Kreatur unter anderen. Und wenn das so ist: Warum soll er die einzige Kreatur sein, der unveräusserliche Grundrechte zugesprochen werden?

Affen sind gewissermassen das Einfallstor, um diese Sichtweise der Welt in der Gesetzgebung zu verankern. Weltweit arbeiten Tierrechtler an diesem «Great Ape Project» genannten Plan, in Basel könnten sie ihn nun realisieren. Dabei ist freilich klar, dass nach den Affen nicht Schluss ist. Denn genauso, wie der Unterschied zwischen Mensch und Menschenaffe diesen Kreisen graduell erscheint, so ist er es auch zwischen Menschenaffen und Lemuren, zwischen Lemuren und Igeln, zwischen Igeln und Insekten. Immer würden sich Argumente finden, um den Kreis betroffener Tierarten zu erweitern. Im Grunde wäre es in dieser Logik konsequent, allen Tieren Grundrechte zuzusprechen - und dem Tier Mensch die Nutzung seiner Mit-Tiere am Ende zu verbieten.

Es ist kein Geheimnis, dass diesen Tierrechtlern eine vegane Gesellschaft vorschwebt. Das ist ein unrealistisches, aber nicht per se verwerfliches Ziel. Verhängnisvoller ist allerdings der Umkehrschluss der Tier-Mensch-Analogie, wie ihn der australische Tierrechtler Peter Singer mit bemerkenswerter intellektueller Kälte formuliert. Wenn nämlich Grundrechte nicht mehr auf dem Menschsein basieren, sondern auf einer wie auch immer gearteten Beschaffenheit eines jeden Tieres, so stehen sie auch für den Menschen, je nach Beschaffenheit, zur Disposition. Singer beispielsweise findet die Tötung eines neugeborenen Kindes weniger verwerflich als jene eines Affen, zumal ein Baby geistig weniger entwickelt sei als ein Primate. Das Menschsein an sich hat in dieser rein biologischen Sicht keinen Wert.

Gewiss: Es führt kein direkter Weg von der Basler Affen-Initiative zum Mord an Menschen, und man möchte den Initianten diese Absicht beileibe auch nicht unterstellen. Aber die gedankliche Konstruktion dahinter eröffnet den Blick in eine biologisch begründete Hölle. Die Tür dazu darf man nicht öffnen.

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