Kommentar

Weihnachtsbaum im Sondermodell

Alle suchen den perfekten Weihnachtsbaum. Doch manchmal ist unperfekt perfekter. Eine Erfahrung unserer Redaktorin als Weihnachtsbaumverkäuferin. 

Sabine Altorfer
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Sabine Altorfer

Sabine Altorfer

Ein einziges Mal in meinem Leben war ich Weihnachtsbaumverkäuferin. Der Vater eines Studienkollegen hatte ein Stück Land, auf dem Tännchen munter vor sich hin wuchsen. Die mussten weg, bevor sie zum Wald wurden. Der Deal war so einfach wie gut. Wir mussten sie roden, bekamen dafür den ganzen Erlös. Taufrisch brachten wir sie an unseren improvisierten Stand und priesen sie wortreich an. Jeder orientalische Basarchef hätte uns sofort engagiert.

Die Passanten hatten Spass, wir auch. Das Problem waren die Bäumchen. Da sie sehr dicht gepflanzt waren, neigten sie zu einseitiger Beastung. Machen wir aus der Schwäche eine Stärke! Wir fragten, wo der Baum platziert werde und propagierten einseitige Bäumchen als platzsparende Wand- oder Eckmodelle. Für die Kunden war die Idee der Sondermodelle ungewohnt. Aber die Botschaft, unperfekt ist manchmal perfekter, leuchtete ein. Leuchtete weihnächtlich.