Kommentar
Wehe dem, der jetzt Muskelkater hat

Zwei Tage nach den nationalen Wahlen baut Rieter in der Schweiz 200 Stellen ab. Hauptgrund ist der starke Schweizer Franken. Folgen dem Winterthurer Traditionsunternehmen noch weitere Unternehmen? Ein Kommentar.

Andreas Schaffner
Andreas Schaffner
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Das Logo der Firma Rieter beim Hauptsitz in Winterthur: Das Traditionsunternehmen vollzog eine Massenentlassung

Das Logo der Firma Rieter beim Hauptsitz in Winterthur: Das Traditionsunternehmen vollzog eine Massenentlassung

Ein «Fitnessprogramm» für die Wirtschaft haben es die Nationalbanker im Januar genannt. Sie wussten nur zu gut, dass sie mit der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro die Schweizer Exportindustrie in die Bredouille bringen mit Folgen für die Arbeitsplätze. Doch bis heute haben sich die Firmen in der Schweiz erstaunlich gut geschlagen in dieser neuen Welt.

Doch Anfang Jahr war «nur» Europa das Problem. Die Wirtschaft in China und den USA brummte. Heute ist dies anders: China und andere grosse Schwellenländer schwächeln. Die Nachfrage nach Schweizer Maschinen, Uhren und Dienstleistungen nimmt ab. Dies kombiniert mit dem starken Schweizer Franken zwingt die Firmen dazu, neu zu rechnen. Nur gerade die Pharma-Industrie ist ausgenommen.

Für die anderen läuft das «Fitnessprogramm» weiter. Noch mehr: Jetzt beginnt die zweite Trainingseinheit. Wehe dem, der schon jetzt Muskelkater hat. Die Bewährungsprobe für die Firmen steht noch bevor. Einfache Tätigkeiten wie Blech schneiden und Fenster zusammenbauen werden ausgelagert. Was automatisiert werden kann, wird automatisiert. Für viele Schweizer Arbeitnehmer, heisst das: Es ist noch nicht vorbei. Sie werden weitere Hiobsbotschaften zu hören bekommen. Und was auch sicher scheint: An eine Lohnerhöhung ist nicht zu denken.