De Schepper
Was verdient Ihr Volksvertreter?

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Das gilt auch für Politiker. Aber Politiker singen vor den Wahlen lieber das Lied vom süssen Honig, den sie auf unser Brot schmieren wollen.

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Blick in den Nationalratssaal. (Archiv)

Blick in den Nationalratssaal. (Archiv)

Keystone

Nur, zu viel Zucker ist schlecht für die Zähne. Darum ist es wichtig, dass wir nicht nur den Honig kennen, den uns Politiker ums Maul streichen wollen, sondern dass wir auch wissen, was für Brot die Politiker selber essen. Und wer es ihnen zahlt.

Genau deshalb zog SVP-Nationalrat Lukas Reimann 2011 mit der Frage in den Wahlkampf: «Welchen Politiker kaufen wir uns heute?» Um das zu erfahren, lancierte er eine nationale Transparenz-Initiative. Ohne Unterstützung seiner Partei scheiterte Reimann aber kläglich schon beim Unterschriftensammeln. Im Aargau machte es die Juso mit ihrer kantonalen Transparenz-Initiative besser. Dort darf das Volk demnächst darüber abstimmen, ob es auch wissen darf, wer ihren Politikern das Brot und die Butter aufs Brot zahlt und wer ihnen den Honig sponsert, mit dem sie uns verführen wollen.

Jetzt lesen wir in der «Nordwestschweiz», dass nicht alle roten Politiker mit der Initiative ihrer Jungspunde glücklich sind. Insbesondere die jährliche Offenlegungspflicht von Einkommen und Vermögen schmeckt einigen Genossen nicht. Sie befürchten wohl, dass es ihre Wähler nicht goutieren würden, wenn sie sehen könnten, wie gut die Aargauer SP-Politiker verdienen. Die Wähler sind viel weniger neidisch, als die Genossen denken. Als «TeleBärn» Anfang Jahr die Steuerausweise aller Kandidatinnen und Kandidaten für den Regierungsrat veröffentlichte, kam nicht die «reichste» Kandidatin – SP-Frau Barbara Egger – unter Druck, die zusammen mit ihrem Mann 2012 ein Einkommen von 511 900 Franken, ein Vermögen von 526 000 Franken und ein Grundeigentum im Wert von 553 480 Franken versteuerte. In Erklärungsnot geriet der «ärmste» Kandidat, SVP-Mann Manfred Bühler, der als Anwalt 2012 nur gerade ein Einkommen von 200 Franken zu versteuern hatte.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Weil Steuern keine Strafe sind, sondern eine Abgabe zum Wohle aller, müssten sich Politiker, die gutes Brot verdienen, nicht schämen, das Lied ihres Broteinkommens öffentlich zu singen. Wirklich verdächtig sind jene Politiker, die uns glauben machen wollen, dass sie kein Brot verdienen, oder Wohltäter, die – wie Blocher-Nachfolger Thomas Matter – nur für Gotteslohn in Bern sein wollen.

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