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Kommentar

Was Donald Trump von den alten Griechen gelernt hat

Der Präsident erklärte seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit. Um das heikle Thema «Umweltpolitik» mogelte er sich elegant herum. Mit rhetorischen Tricks, die zwar sehr alt sind, aber immer noch funktionieren.
Christoph Bopp
Christoph Bopp

Christoph Bopp

US-Präsident Donald Trump hat seine erneute Kandidatur angekündigt und dabei die Errungenschaften seiner bisherigen Amtszeit gerühmt. Auch die Umwelt war ihm ein paar Sätze wert. Die Faktenchecker stürzten sich gleich drauf – mit dem nicht ganz unerwarteten Ergebnis, dass sich in seiner Umweltpolitik doch eher Gegenteiliges finden lasse.

So weit, so wie immer. Und man könnte jetzt den Kopf schütteln. Oder man könnte sich fragen: Wie macht man so was?

Die Sache ist nicht neu. Bereits die alten Griechen – Platon und Aristoteles – regten sich darüber auf. Man nannte sie «Sophisten». Leute, rhetorisch so begabt, dass sie den Leuten ein X für ein U vormachen konnten. Ob berechtigt oder nicht, sie hatten nicht den besten Ruf. Auch weil man ihnen unterstellte, vor Gericht dank ihrer rhetorischen Kunstfertigkeit gerechte Urteile zu verhindern. (In der Schweiz behauptete einst ein gewisser PR-Berater, er könne einen Härdöpfelsack zum Bundesrat machen – wenn nur das Budget gross genug sei. Das wäre auch im Athen des fünften vorchristlichen Jahrhunderts «typisch sophistisch» gewesen.)

Worin Sophisten und ihre Gegner einigermassen einig gingen, war die Auffassung, dass die Wahrheit, «der richtige Logos», die angemessene Handlung, aus zwei Positionen stamme: Widerrede gehört obligatorisch dazu. Die Gerichts-Praxis machte daraus zwei Plädoyers. Zwei lange Beiträge. Sokrates arbeitete – sophistisch – in seiner Suche nach der Wahrheit eher mit dem Prinzip der kurzen Rede. In Platons Dialogen bohrt er immer weiter nach dem, was eigentlich «Gerechtigkeit» oder irgendetwas anderes Schwieriges sei.

Das Ping-Pong-Prinzip ist anfällig für Manipulation. Da kann man den Gegner oder ein Publikum leicht dorthin führen, wo man die Dinge nach Wunsch arrangieren kann. Donald Trump hält sich denn auch gar nicht auf mit der Frage, was denn eine gute Umweltpolitik wäre.

«Cleanest air, cleanest water» –
die sauberste Luft, das sauberste Wasser
auf dem Planeten, das wollen wir doch?
Wer möchte ihm widersprechen?

Rhetorisch raffiniert ist er ins sokratische Spiel eingestiegen. «Saubere Luft, sauberes Wasser», – klar, das ist Umwelt, wie wir sie wünschen. Das sokratische Fragen nach dem Wesen von etwas ist schon ans Ziel gekommen. Umwelt? Saubere Luft, sauberes Wasser. Gut definiert ist praktisch gewonnen. Einhellige Zustimmung. Wer möchte da widersprechen?

Und schon ist halb vergessen, dass es ja um Politik, nämlich darum ginge, wie man dazu kommt. Und dass man es überhaupt gar nicht hat, ist so weit weg wie nur etwas. Wie Paris.

Die Anderen, die «Paris-Nationen», haben das nicht kapiert. Und deshalb habe er die USA aus diesem Paris-Abkommen zurückgezogen. Denn es ist «unfair, ineffizient und sehr, sehr teuer». In der Tat.

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