Per Autostopp um die Welt (93)
Warum Sie sich in Zentralamerika zweimal überlegen sollten, ob Sie die Polizei rufen

In der Woche 93 reist Thomas Schlittler von León (Nicaragua) nach San Carlos (Nicaragua). In Zentralamerika lernt er, dass es nicht immer die beste Entscheidung ist, die Polizei zu rufen.

Thomas Schlittler
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Die nördliche Pazifikküste Nicaraguas ist ein (Surfer-)Paradies - solange man nicht mit der Polizei in Kontakt kommt

Die nördliche Pazifikküste Nicaraguas ist ein (Surfer-)Paradies - solange man nicht mit der Polizei in Kontakt kommt

Thomas Schlittler

Corina lebt ein Leben, von dem viele nur träumen: Die 32-jährige Thurgauerin, eine langjährige Freundin meiner Schwester, hat der Schweiz den Rücken gekehrt und führt mit ihrem Freund Phil, der aus Barbados stammt, ein Surf- und Yoga-Camp. Die beiden haben an der nördlichen Pazifikküste Nicaraguas ein grosszügiges Anwesen gemietet, von dessen Terrasse aus man einen herrlichen Blick hat auf einen mehrere Kilometer langen Sandstrand.

Seit 10 Wochen führt Corina nicht mehr nur ein Surf- und Yoga-Camp, sondern ist auch stolze Mama der kleinen Kaya

Seit 10 Wochen führt Corina nicht mehr nur ein Surf- und Yoga-Camp, sondern ist auch stolze Mama der kleinen Kaya

Thomas Schlittler
Drogenbosse haben Geschmack_Das ist der Ausblick von der Strandvilla mit der zwielichtigen Vergangenheit

Drogenbosse haben Geschmack_Das ist der Ausblick von der Strandvilla mit der zwielichtigen Vergangenheit

Thomas Schlittler

Das paradiesische Stück Land gehörte einst einem nicaraguanischen Drogensboss. Von der zwielichtigen Vergangenheit ist jedoch nichts mehr zu spüren. Einen Wachmann mit Waffe, wie es an vielen Orten Zentralamerikas üblich ist, sucht man hier vergeblich.
Mehr noch, nicht einmal die Türen sind verriegelt. Corina: „Bei uns ist alles klein und übersichtlich. Wir haben pro Woche nur 20 bis 30 Gäste und nochmals soviel Personal. Die Gästezimmer sind deshalb genauso wenig abgeschlossen wie unser Haus, das etwas abseits steht.“
Über zwei Jahre lang funktionierte das problemlos. Vor ein paar Wochen wurde einem Gast aber das Smartphone aus dem Zimmer gestohlen. „Es war ein Schock für uns“, sagt Corina. Denn weil zum Zeitpunkt des Diebstahls alle Gäste an einem Lagerfeuer sassen, kam nur das Personal infrage. „Doch wir hatten keine Ahnung, wer es war."

Sonne ...
3 Bilder
... Strand ...
... und Surfen. So sieht eine Woche im 'Rise Up Surf' normalerweise aus. Die Polizei von Nicaragua sollte im All-Inklusiv-Paket eigentlich nicht vorkommen

Sonne ...

Thomas Schlittler

Das Smartphone ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Und wer es gestohlen hat, weiss ebenfalls niemand. Corina: „Vielleicht war es tatsächlich jener Angestellte, den die Polizei als Sündenbock abgestempelt hat – vielleicht aber auch nicht.“
Fest steht einzig: Falls es wieder einmal zu einem solchen Zwischenfall kommen sollte, wird es sich Corina zweimal überlegen, ob sie die Polizei anrufen soll. Und meine Freundin Lea und ich wissen jetzt, wieso die meisten unserer Fahrer in Zentralamerika nur abwinken und den Kopf schütteln, wenn wir auf die Polizei zu sprechen kommen.

Von San Agustin nach Manzanillo_Diese Jungs sind in der Hauptstadt Managua aufgewachsen, verdienen ihr Geld jetzt aber auf dem Feld
30 Bilder
Von Manzanillo nach Rise Up Surf Camp_Die letzten Kilometer zum Tagesziel machen wir mit Mitarbeitern des Surfcamps, das Corina führt (siehe Artikel)
Lea und ich verbringen zwei Nächte am Strand. Wirklich am Strand.
Das Surfen überlassen wir anderen.
Wir konzentrieren uns aufs Beobachten von Sonnenuntergängen ...
... und Vögeln.
Früh morgens kriegen wir gar Pelikane zu Gesicht.
Und manchmal sogar Surfer und Pelikane gleichzeitig.
Von Rise Up Surf Camp nach Chinandega: Die Fahrer dieses Pick-ups lernen wir vorerst nicht wirklich kennen
Von Chinandega nach Telica: Und wieso uns der Fahrer dieses Kleinlastwagens 30km weit fährt, nur um wieder umzudrehen, verstehen wir nicht ganz
Von Telica nach Leon: Am liebsten würden wir in die Kühlbox sitzen - es ist heiss in Nicaragua!
Von Leon nach Managua: Das sind René und Maria. Es ist das zweite Mal,dass sie uns an diesem Tag mitnehmen. Das erste Mal sassen wir auf der Ladefläche
Von Managua nach Masaya: Dieser Herr war viel freundlicher, als er auf dem Foto wirkt. Er nimmt uns mit, noch bevor wir den Daumen raushalten.
Die Laguna de Apoyo, ein Kratersee in der Nähe von Masaya, sollte kein Nicaragua-Reisender verpassen
Der See ist immer schön. Aber bei Sonnenaufgang ist die Stimmung am besten.
Den brodelnden Vulkan Masaya lassen wir uns auch nicht entgehen. So einfach wie hier bekommt man wohl fast nirgends sonst Lava zu Gesicht
Man kann mit dem Auto direkt an den Kraterrand fahren - dafür darf man aber auch nur 15 Minuten bleiben. Ein komische Vulkan-Erfahrung
Von Masaya nach Granada: Die letzten Kilometer nach Granada legen wir auf einem Lieferwagen zurück - er fährt uns fast direkt zum Hostel
Granada ist wie Leon eine wunderschöne Kolonialstadt
Es hat seine Gründe, wieso Granada eines der beliebtesten Touristenziele Nicaraguas ist
Doch auch wenn Granada für unseren Geschmack etwas zu touristisch ist, eignet sich die Stadt nach wie vor zum People-Watching (von Einheimischen)
Es gibt dabei aber nicht nur Erfreuliches zu sehen
Von Granada nach Malacataya: Diesen Camion teilen wir uns mit einem Studenten sowie einem Bio- und Englischlehrer. Sie gehen per Anhalter zur Schule
Die Strasse ist oft in keinem guten Zustand. Zudem müssen wir warten, bis wir mit der Ein-Fahrzeug-Fähre über diesen Fluss kommen
Von Malacataya nach El Papayal_Holprig geht es weiter. Dank Tierfutter-Säcken haben wir es aber trotzdem ziemlich gemütlich
Auf einem kleinen Bauernhof im staubtrockenen Nirgendwo laden wir 30 Säcke ab. Das gibt Lea und mir eine bessere Aussicht.
Von El Papayal nach Juigalpa: Wieder an der Hauptstrasse werden wir von Lastwagenfahrer Henry (rechts) mitgenommen.
Henry hat 9 Kinder und ist die Herzlichkeit in Person. Er besorgt uns am Strassenrand einen riesigen Schnitz Wassermelone
Von Juigalpa nach Acoyapa: LKW-Fahrer Jorge ist dann eher einer der brummigen Sorte. Mit der Zeit taut er aber etwas auf.
Von Acoyapa nach San Carlos: Kurz vor Sonnenuntergang beendet dieser Lieferwagen unseren anstrengenden Tag am Strassenrand - über 100km direkt ans Ziel

Von San Agustin nach Manzanillo_Diese Jungs sind in der Hauptstadt Managua aufgewachsen, verdienen ihr Geld jetzt aber auf dem Feld

Thomas Schlittler